Die Salzweger Kirche St. Rupert wurde im November 1964 erbaut, und im September 1965 als Pfarrei eingesetzt. Die neue Pfarrei war mit vielen Aufbauarbeiten beschäftigt, da waren Sternsinger noch keine Priorität. In der Zeit gingen Kindergruppen für die eigene Tasche sammeln.
1976 fragten ein paar Jugendliche aus der Pfarrei bei Pfarrer Prügl an, ob sie für andere Kinder in der Welt Sternsingen gehen dürften. Die erste Gruppe setzte sich aus Kindern aus Hundswinkl, Steinbüchl und Freunden aus Niedersatzbach, Thyrnau und Passau zusammen. Weisse Ministrantengewänder mit einfachen Oberteilen, Gürteln und selbstgebastelten Kronen reichten als Erstausstattung. Die Kinder suchten eine Hilfsorganisation für Kinderpatenschaften in Indien, und begannen singend und segnend von Haus zu Haus zu gehen und für den guten Zweck zu sammeln. Bereits im zweiten Jahr hatten sie 3 Gruppen zusammen, die 4 Tage lang bei jedem Wetter von Haus zu Haus zogen. In den Dörfern übernahmen Eltern, oder ältere Geschwister den Fahrdienst für die kleinen Könige.
Mehr und mehr Jugendliche aus der Pfarrei wollten mitmachen. Schliesslich wurde die Aktion von Rosa Braun, später dann von Pfarrgemeinderat, dem Pastoralassistenten Thomas Weggartner und Pfarrer Alexander Aulinger organisiert, und mit der deutschlandweiten Sternsingeraktion verbunden. Der Salzweger Frauenbund mobilisierte ihre Mitglieder, Stoffe zu sammeln und Kleider zu nähen. Erika Ilg tat sich Anfang der 90er künstlerisch hervor und zauberte mit anderen Helferinnen über 40 wundervolle und vielfältige Komplettgarnituren: Hosen, Blusen, Umhang, Schal und prächtige Kronen. Viele Frauen spendeten prachtvolle Stoffe – extravagante Vorhänge, Samtballen, glitzernde Gazeestoffe … und eine Entwicklungshelferin brachte Afrikanische Stoffe mit.
Über die letzten 50 Jahre haben sich viele Ehrenamtliche Helfer für die Sternsingeraktion eingebracht: Schreiner bastelten die vielen Holzsterne, besonders Ortskundige erstellten detaillierte Einsatzpläne. Und dann mussten die kunstvollen Kleidungen nach Grösse geordnet an die Kinder und Jugendlichen ausgegeben, wieder eingesammelt, gewaschen und sachkundig in Schränken im Pfarrheim aufbewahrt werden. Dabei müssen die speziellen Geschmäcker getroffen werden, und oft hört Erna Haller, die die Ausgabe übernommen hat: „Oh nein, des steht mir doch net…“ Und nicht selten nimmt sie dann auch noch die Nähnadel, um es ganz passend zu machen. Die Modenschau ist nicht zu Ende – weitere Kostüme werden genäht. Ich durfe ein exklusives „Trachtenmodel“ von Renate Pranghofer begutachten.
Die Teamsprecherin des Frauenbundes Salzweg, Renate Sarembe, berichtet in der Chronik zum 50jährigen Jubiläum stolz von den vielen Künstlerinnen, die sich für die Sternsingeraktion einbrachten.
Neben Ministranten, Pfarrgemeinderat, Frauenbund, brachten sich auch andere Vereine über die Jahre ein: 8 Gruppen zu je 4 Personen, die bis zu 3 Tagen die Häuser der Pfarrgemeinde besuchten. Auch viele Eltern, sowie Jugendliche des Trachtenvereins und der Pfadfinder unterstützten. Einige der Eltern kochen Mittagessen für die hungrigen Könige. Insgesamt sind jährlich etwa 40 Personen mit der Sternsingeraktion beschäftigt.
Soviel Engagement wurde von den Salzwegern großzügig honoriert: in 50 Jahren wurden knapp 200.000 Euro für Kinder in der ganzen Welt gesammelt. Zu Beginn wurden Kinder in einem Indischen Waisenheim, später wurde jährlich die bundesweite Sternsingeraktion unterstützt.
Bei der Sternsingeraktion 2026 richten wir den Blick nach Bangladesch. Trotz Fortschritten im Kampf gegen Kinderarbeit müssen in dem südasiatischen Land noch rund 1,8 Millionen Kinder und Jugendliche arbeiten – 1,1 Millionen sogar unter besonders gesundheitsschädlichen und ausbeuterischen Bedingungen. Sternsinger-Partnerorganisationen setzen sich dafür ein, Kinder aus Arbeitsverhältnissen zu befreien und ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen. (www.sternsinger.de/sternsingen)
Auch dieses Jahr, nun zum 50. Mal in Salzweg, koordinieren die Oberministranten – Christoph Wurz, Magdalena Fuchs und Luisa Wagner – die Ministranten Könige. Sie freuen sich, dass immer wieder soviele Kinder und Jugendliche mitmachen. Ein kleiner Anreiz ist der Dankeschön-Besuch in der Erdinger Therme, um die kalten Glieder wieder aufzuwärmen. Eine Delegation durfte vor Jahren auch einer Einladung zum Dreikönigsempfang des Ministerpräsidenten folgen.
Wie jedes Jahr, wurden die Sternsinger noch vor Neujahr im Gottesdienst ausgesandt, um Samstags den Segen in alle Häuser zu bringen und „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ an die Türen zu schreiben. Am 6. Januar feiern die Sternsinger den Gottesdienst mit, und legen ihre Kronen vor dem einzigen König und Herrn, Jesus Christus, in der Krippe nieder.
Pfarrer Andreas Erndl bedankt sich für den großartigen Einsatz der Ministranten in Salzweg und dem ganzen Pfarrverband. Möge der menschgewordene Gott alle Sternsinger, Spender und alle Haushalte unseres Pfarrverbands segnen!
Text nach vielen Interviews zusammengestellt von Rita Weidinger (erste „Generation“ Sternsinger)
Fotos: Paul Ilg, Thomas Weggartner, Rita Weidinger



