Neben der Pfarrkirche befindet sich die Leonhardikapelle
Die Kapelle wurde 2007 neu renoviert. Jedes Jahr am 2. Wochenende im Oktober findet ein Leonhardiritt statt. Sie ist dem Einsiedler und Abt Leonhard geweiht. Der Überlieferung nach wurde er um 500 in Nordfrankreich geboren und ist um 560 gestorben. Der hl. Leonhard ist Patron der Gefangenen, Beschützer der Gebärenden, Schutzherr des Bauernstandes, Patron des Viehs und hier besonders der Pferde.
Die Kapelle ist sockellos und damit romanischen Ursprungs. Bei der letzten Außensanierung wurden auch rundbogige Fenster an der Südseite freigelegt. An der Straßenseite ist beim östlichen Fenster der romanische Stil noch gut erkennbar. Dieses Fenster ist schmäler als das westliche Fenster und hat eine sich nach innen verjüngende Laibung. Um 1450 und in der Barockzeit um 1720 wurden wesentliche Beeinflussungen am Baukörper vorgenommen.
Eindrucksvoll ist der hochragende Bau in der Nordwestecke des über 900jährigen Friedhofes platziert. Den vorbeiziehenden Lastpferden galt der Schutz des Heiligen. Der heute abgedeckte Brunnenschacht, fünf Meter westlich der Kapelle, könnte als Rosstränke gedient haben. Die fast lebensgroße schlanke Leonhardi-Figur von 1730 steht im Mittelpunkt des Kapellen-Altares, flankiert von den Barockfiguren Sebastian, Markus, Veronika und Johannes Nepomuk. An der Südwand des Raumes stehen auf Konsolen der Diözesanpatron Bruder Konrad von Parzham, zu seinen Seiten der hl. Antonius und der hl. Franziskus.
An der Westwand sind die wuchtigen rotmarmornen Grabplatten der Watzmannsdorfer Familienmitglieder zu sehen, die ursprünglich in der Pfarrkirche am Boden des Chores über der Watzmannsdorfer-Gruft lagen: rechts der Grabstein des Christof Watzmannsdorfer, des letzten männlichen Mitglieds der Familie. Auf dem schon zu Lebzeiten gefertigten Epitaph ist sein Todesjahr 1527 nicht mehr eingetragen worden.
In der Nordwest-Ecke steht der Gegeißelte aus dem Jahr 1848 in der Gestalt des Heilands der Wieskirche. An der Nordwand der Kapelle ist ein spätgotisches Ölberg-Motiv aus Sandstein eingelassen. Es zeigt schwere Verwitterungsspuren, da es sich vor 1907 an der Außenwand der alten Sakristei befand.
Darunter liegt das Gedenkbuch für die Gefallenen des 2. Weltkrieges auf, derer auch am Kriegerdenkmal vor der Kapelle gedacht wird. Links und rechts wird das Ölberg-Relief begrenzt von Reiterlaternen, die bei den Leonhardi-Umritten mitgeführt werden. Zwischen den beiden Fensternischen sehen wir ein großes Votivgemälde aus dem Jahr 1715, das die Legende des hl. Isidor, eines Bauern-Patrons, darstellt, darüber eine barocke Madonna mit Jesuskind.
Text von Erich Schätzl, Heimatpfleger
(entnommen aus: https://www.erichschaetzl.de/das1000jährigekellbergkirchenführerstblasiuskirche/diestblasiuskirche/diekapellenderfriedhof/