Von Dionys Asenkerschbaumer
Kellberg. Mit einem festlichen Gottesdienst, einer großen Prozession und der Einweihung eines neu gestalteten Denkmals hat die Pfarrei St. Blasius Kellberg den ersten großen Höhepunkt ihres Jubiläumsjahres gefeiert. Diözesanbischof Stefan Oster SDB besuchte die Pfarrgemeinde und ermutigte die Gläubigen, ihren Glauben gemeinsam und vertrauensvoll in die Zukunft zu tragen.
Ein großer Festzug versammelte sich auf dem Festplatz unterhalb des Kurgästehauses. Zahlreiche Vereine waren mit ihren Fahnenabordnungen vertreten: die Freiwillige Feuerwehr, der Krieger- und Soldatenverein, der Trachtenverein mit Goldhaubengruppe, die Talschützen Schaibing, der Frauenbund, der DJK-Sportverein und die Chorgemeinschaft Donauwald. Auch viele Vertreter aus dem gesamten Pfarrverband gaben der kleinsten, aber ältesten Pfarrei die Ehre. Gemeinsam mit den pfarrlichen Gruppen, Erstkommunionkindern und Firmlingen begleiteten sie den Bischof, angeführt von mehreren Ministrantinnen, in einer Prozession zur Pfarrkirche St. Blasius. Dort wurden sie unter Glockengeläut und den kraftvollen Klängen der Orgel, gespielt von Corinna Liebenthal, empfangen.
Pfarrgemeinderatsvorsitzender Hans Käser hieß zu Beginn des Festgottesdienstes Bischof Stefan Oster, Priorin Sr. Lucia aus Thyrnau, Bundestagsabgeordneten Hans Koller, die stellvertretende Landrätin Cornelia Wasner-Sommer, Bürgermeister Franz Mautner mit den Gemeinderäten, die Vertreter aus dem Pfarrverband und der Vereine sowie die zahlreichen Gläubigen herzlich willkommen.
In seiner Ansprache erinnerte Käser daran, dass im Laufe der Jahrhunderte vieles vom „Staub der Geschichte“ bedeckt worden sei. Geblieben sei jedoch das Wesentliche: der Glaube, der von Generation zu Generation weitergetragen wurde und die Menschen bis heute verbindet. Als Antwort auf die gegenwärtigen Herausforderungen der Kirche warb er für eine hörende Kirche. Lebendig bleibe Kirche dort, wo sie neu auf Gottes Wort, aufeinander und auf das Wirken des Heiligen Geistes höre. Daraus erwachse eine Gemeinschaft, in der Menschen ihre Fähigkeiten einbringen können, gemeinsam Verantwortung übernehmen und den Glauben glaubwürdig leben. Diesen synodalen Weg wolle die Pfarrgemeinde Kellberg gemeinsam gehen, damit das Evangelium auch künftigen Generationen lebendig verkündet werde. Dann, so Käser, werde man auch in fünfzig Jahren das 1000-jährige Bestehen der Pfarrei nicht nur als historisches Jubiläum, sondern als lebendiges Glaubensfest feiern können.
Den Ortsnamen Kellberg deutete Käser schließlich als geistliches Bild: Der Glaube gleiche einem Weg bergauf, manchmal mühsam, aber stets mit einem sich öffnenden Blick auf Gott, aufeinander und auf die Zukunft. Dieser Weg der Hoffnung und des Vertrauens habe die Pfarrei durch 950 Jahre getragen und solle sie auch in die Zukunft führen.
Den Pontifikalgottesdienst feierte Bischof Stefan Oster gemeinsam mit Pfarrer Andreas Erndl sowie den Pfarrern im Ruhestand Herbert Oberneder und Alois Anetseder. Diakon Christoph Kochmann assistierte bei der Feier.
„Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben!“, begann Bischof Stefan Oster seine Predigt. Auch mit Blick auf den Ortsnamen Kellberg erinnerte er daran, dass sich in der Bibel immer wieder entscheidende Ereignisse auf einem Berg abspielten: am Sinai mit Mose, auf dem Berg Morija mit Abraham und Isaak, auf dem Zionsberg, bei der Bergpredigt und der Verklärung Jesu, aber auch auf Golgotha. Auf einem Berg, so der Bischof, scheine der Mensch dem Himmel näher zu sein.
Gleichzeitig stellte Oster eine Frage, die heute viele Menschen bewege: Ist Gott wirklich da? Gibt es den Gott, den wir Vater nennen? Der Prophet Elija habe auf dem Berg Horeb die Gegenwart Gottes nicht in spektakulären Ereignissen, sondern in einem unscheinbaren Windhauch, im leisen Säuseln, erfahren. Angesichts der heutigen Fülle an Bildern und Informationen stelle sich deshalb die Frage, ob Menschen noch Stille aushielten oder ihr sogar bewusst entgingen.
In seiner Auslegung der Lesung aus dem Römerbrief und des Evangeliums vom Gang Jesu auf dem See warb der Bischof für einen Glauben, der sich ganz auf Gott verlässt und aus dem Nächstenliebe erwächst. Einen solchen Glauben wünschte er den Kellbergern, für die kommenden 50 ebenso wie für die nächsten 950 Jahre.
Pfarrer Andreas Endl bedankte sich in seinem Schlusswort bei den Verantwortlichen für die großartige Vorbereitung dieses Festes, ja des ganzen Jubiläumsjahres. Er wundere sich immer wieder, was eine kleine Pfarrei in Zeiten weniger werdender Priester und Hauptamtlicher zu leisten imstande sei.
Im Anschluss an den Gottesdienst enthüllten der Künstler Alfred Seidel und Bischof Stefan Oster das neu gestaltete Denkmal vor dem Hauptportal der Pfarrkirche. Unverkennbar zeigt es den Kellberger Kirchturm auf einem bergförmigen Quarzfindling. Von beiden Seiten strömen Gruppen von Menschen herbei. Alfred Seidel erläuterte die Bedeutung seines Werkes: Der Turm auf dem Berg erinnere daran, dass Menschen früher aus Krinning, Hauzenberg, Wolkar, Haag und Thyrnau zu ihrer Pfarrkirche nach Kellberg gingen. Zugleich stehe das Denkmal für Gemeinschaft. Viele Menschen aus dem Ort hätten Metall gespendet, das eingeschmolzen und zu der Bronzeplastik verarbeitet wurde. Bischof Stefan Oster segnete das Denkmal mit Weihwasser und Weihrauch und verband damit den Wunsch, dass es den einen oder anderen Betrachter in seinem Glauben bestärken möge.
Damit auch in Zukunft sichtbar bleibt, wer diesen besonderen Tag miterlebt hat, versammelten sich anschließend sämtliche Kirchenbesucher auf der steinernen Treppe zu einem gemeinsamen Erinnerungsfoto. „Damit die Leute in 50 Jahren wissen oder zumindest rätseln können, wer damals dabei war“, motivierte Hans Käser die vielen Kirchenbesucher.
Beim anschließenden Treffen mit dem Bischof im Kurgästehaus waren die Plätze schnell knapp. Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung hatten ein einfaches Mittagessen vorbereitet, das der Bischof mit einem Tischgebet eröffnete. Zum Jubiläumsjahr entsteht außerdem ein Büchlein mit interessanten und kuriosen „Geschichten zur Geschichte von Kellberg“. Die Festschrift soll zum kommenden Erntedankfest erscheinen. Mitherausgeber und Gestalter Dionys Asenkerschbaumer gab den Gästen bereits einen kleinen Vorgeschmack und präsentierte einige Leckerbissen aus dem Buch, darunter die nächtliche Begegnung mit dem Teufel auf dem Kellberger Friedhof, die sich am Ende allerdings als Begegnung mit einer ausgebüchsten Geiß herausstellte.
Mit Freude sehen die Verantwortlichen für das Jubiläumsjahr den nächsten Veranstaltungen entgegen: dem Erntedankfest mit Leonhardiumritt, zu dem auch Abt Patrick Schöder aus Göttweig sein Kommen zugesagt hat, dem Filmabend mit dem Filmemacher Willi Weitzel am 30. Oktober sowie dem Vortrag „Der wilde Osten“ zur Geschichte des Bayerwaldes am 19. November mit Dr. Richard Loibl vom Haus der Bayerischen Geschichte.


