950 Jahre Pfarrei: Altmannfest in Kellberg

Pfarrverband Straßkirchen am 10.08.2026

Über 200 Gläubige beim Festgottesdienst und der Einweihung des Jubiläums-Denkmals durch Bischof Stefan Oster

Von Dio­nys Asenkerschbaumer

Kell­berg. Mit einem fest­li­chen Got­tes­dienst, einer gro­ßen Pro­zes­si­on und der Ein­wei­hung eines neu gestal­te­ten Denk­mals hat die Pfar­rei St. Bla­si­us Kell­berg den ers­ten gro­ßen Höhe­punkt ihres Jubi­lä­ums­jah­res gefei­ert. Diö­ze­san­bi­schof Ste­fan Oster SDB besuch­te die Pfarr­ge­mein­de und ermu­tig­te die Gläu­bi­gen, ihren Glau­ben gemein­sam und ver­trau­ens­voll in die Zukunft zu tragen.

Ein gro­ßer Fest­zug ver­sam­mel­te sich auf dem Fest­platz unter­halb des Kur­gäs­te­hau­ses. Zahl­rei­che Ver­ei­ne waren mit ihren Fah­nen­ab­ord­nun­gen ver­tre­ten: die Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr, der Krie­ger- und Sol­da­ten­ver­ein, der Trach­ten­ver­ein mit Gold­hau­ben­grup­pe, die Tal­schüt­zen Schaib­ing, der Frau­en­bund, der DJK-Sport­ver­ein und die Chor­ge­mein­schaft Donau­wald. Auch vie­le Ver­tre­ter aus dem gesam­ten Pfarr­ver­band gaben der kleins­ten, aber ältes­ten Pfar­rei die Ehre. Gemein­sam mit den pfarr­li­chen Grup­pen, Erst­kom­mu­ni­on­kin­dern und Firm­lin­gen beglei­te­ten sie den Bischof, ange­führt von meh­re­ren Minis­tran­tin­nen, in einer Pro­zes­si­on zur Pfarr­kir­che St. Bla­si­us. Dort wur­den sie unter Glo­cken­ge­läut und den kraft­vol­len Klän­gen der Orgel, gespielt von Corin­na Lie­ben­thal, empfangen.

Pfarr­ge­mein­de­rats­vor­sit­zen­der Hans Käser hieß zu Beginn des Fest­got­tes­diens­tes Bischof Ste­fan Oster, Prio­rin Sr. Lucia aus Thyr­n­au, Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Hans Kol­ler, die stell­ver­tre­ten­de Land­rä­tin Cor­ne­lia Was­ner-Som­mer, Bür­ger­meis­ter Franz Maut­ner mit den Gemein­de­rä­ten, die Ver­tre­ter aus dem Pfarr­ver­band und der Ver­ei­ne sowie die zahl­rei­chen Gläu­bi­gen herz­lich willkommen.

In sei­ner Anspra­che erin­ner­te Käser dar­an, dass im Lau­fe der Jahr­hun­der­te vie­les vom ​„Staub der Geschich­te“ bedeckt wor­den sei. Geblie­ben sei jedoch das Wesent­li­che: der Glau­be, der von Gene­ra­ti­on zu Gene­ra­ti­on wei­ter­ge­tra­gen wur­de und die Men­schen bis heu­te ver­bin­det. Als Ant­wort auf die gegen­wär­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen der Kir­che warb er für eine hören­de Kir­che. Leben­dig blei­be Kir­che dort, wo sie neu auf Got­tes Wort, auf­ein­an­der und auf das Wir­ken des Hei­li­gen Geis­tes höre. Dar­aus erwach­se eine Gemein­schaft, in der Men­schen ihre Fähig­kei­ten ein­brin­gen kön­nen, gemein­sam Ver­ant­wor­tung über­neh­men und den Glau­ben glaub­wür­dig leben. Die­sen syn­oda­len Weg wol­le die Pfarr­ge­mein­de Kell­berg gemein­sam gehen, damit das Evan­ge­li­um auch künf­ti­gen Gene­ra­tio­nen leben­dig ver­kün­det wer­de. Dann, so Käser, wer­de man auch in fünf­zig Jah­ren das 1000-jäh­ri­ge Bestehen der Pfar­rei nicht nur als his­to­ri­sches Jubi­lä­um, son­dern als leben­di­ges Glau­bens­fest fei­ern können.

Den Orts­na­men Kell­berg deu­te­te Käser schließ­lich als geist­li­ches Bild: Der Glau­be glei­che einem Weg berg­auf, manch­mal müh­sam, aber stets mit einem sich öff­nen­den Blick auf Gott, auf­ein­an­der und auf die Zukunft. Die­ser Weg der Hoff­nung und des Ver­trau­ens habe die Pfar­rei durch 950 Jah­re getra­gen und sol­le sie auch in die Zukunft führen.

Den Pon­ti­fi­kal­got­tes­dienst fei­er­te Bischof Ste­fan Oster gemein­sam mit Pfar­rer Andre­as Erndl sowie den Pfar­rern im Ruhe­stand Her­bert Ober­ne­der und Alo­is Anets­eder. Dia­kon Chris­toph Koch­mann assis­tier­te bei der Feier.

„Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht ver­bor­gen blei­ben!“, begann Bischof Ste­fan Oster sei­ne Pre­digt. Auch mit Blick auf den Orts­na­men Kell­berg erin­ner­te er dar­an, dass sich in der Bibel immer wie­der ent­schei­den­de Ereig­nis­se auf einem Berg abspiel­ten: am Sinai mit Mose, auf dem Berg Mori­ja mit Abra­ham und Isaak, auf dem Zions­berg, bei der Berg­pre­digt und der Ver­klä­rung Jesu, aber auch auf Gol­go­tha. Auf einem Berg, so der Bischof, schei­ne der Mensch dem Him­mel näher zu sein.

Gleich­zei­tig stell­te Oster eine Fra­ge, die heu­te vie­le Men­schen bewe­ge: Ist Gott wirk­lich da? Gibt es den Gott, den wir Vater nen­nen? Der Pro­phet Eli­ja habe auf dem Berg Horeb die Gegen­wart Got­tes nicht in spek­ta­ku­lä­ren Ereig­nis­sen, son­dern in einem unschein­ba­ren Wind­hauch, im lei­sen Säu­seln, erfah­ren. Ange­sichts der heu­ti­gen Fül­le an Bil­dern und Infor­ma­tio­nen stel­le sich des­halb die Fra­ge, ob Men­schen noch Stil­le aus­hiel­ten oder ihr sogar bewusst entgingen.

In sei­ner Aus­le­gung der Lesung aus dem Römer­brief und des Evan­ge­li­ums vom Gang Jesu auf dem See warb der Bischof für einen Glau­ben, der sich ganz auf Gott ver­lässt und aus dem Nächs­ten­lie­be erwächst. Einen sol­chen Glau­ben wünsch­te er den Kell­ber­gern, für die kom­men­den 50 eben­so wie für die nächs­ten 950 Jahre.

Pfar­rer Andre­as Endl bedank­te sich in sei­nem Schluss­wort bei den Ver­ant­wort­li­chen für die groß­ar­ti­ge Vor­be­rei­tung die­ses Fes­tes, ja des gan­zen Jubi­lä­ums­jah­res. Er wun­de­re sich immer wie­der, was eine klei­ne Pfar­rei in Zei­ten weni­ger wer­den­der Pries­ter und Haupt­amt­li­cher zu leis­ten imstan­de sei.

Im Anschluss an den Got­tes­dienst ent­hüll­ten der Künst­ler Alfred Sei­del und Bischof Ste­fan Oster das neu gestal­te­te Denk­mal vor dem Haupt­por­tal der Pfarr­kir­che. Unver­kenn­bar zeigt es den Kell­ber­ger Kirch­turm auf einem berg­för­mi­gen Quarz­find­ling. Von bei­den Sei­ten strö­men Grup­pen von Men­schen her­bei. Alfred Sei­del erläu­ter­te die Bedeu­tung sei­nes Wer­kes: Der Turm auf dem Berg erin­ne­re dar­an, dass Men­schen frü­her aus Krin­ning, Hau­zen­berg, Wol­kar, Haag und Thyr­n­au zu ihrer Pfarr­kir­che nach Kell­berg gin­gen. Zugleich ste­he das Denk­mal für Gemein­schaft. Vie­le Men­schen aus dem Ort hät­ten Metall gespen­det, das ein­ge­schmol­zen und zu der Bron­ze­plas­tik ver­ar­bei­tet wur­de. Bischof Ste­fan Oster seg­ne­te das Denk­mal mit Weih­was­ser und Weih­rauch und ver­band damit den Wunsch, dass es den einen oder ande­ren Betrach­ter in sei­nem Glau­ben bestär­ken möge.

Damit auch in Zukunft sicht­bar bleibt, wer die­sen beson­de­ren Tag mit­er­lebt hat, ver­sam­mel­ten sich anschlie­ßend sämt­li­che Kir­chen­be­su­cher auf der stei­ner­nen Trep­pe zu einem gemein­sa­men Erin­ne­rungs­fo­to. ​„Damit die Leu­te in 50 Jah­ren wis­sen oder zumin­dest rät­seln kön­nen, wer damals dabei war“, moti­vier­te Hans Käser die vie­len Kirchenbesucher.

Beim anschlie­ßen­den Tref­fen mit dem Bischof im Kur­gäs­te­haus waren die Plät­ze schnell knapp. Pfarr­ge­mein­de­rat und Kir­chen­ver­wal­tung hat­ten ein ein­fa­ches Mit­tag­essen vor­be­rei­tet, das der Bischof mit einem Tisch­ge­bet eröff­ne­te. Zum Jubi­lä­ums­jahr ent­steht außer­dem ein Büch­lein mit inter­es­san­ten und kurio­sen ​„Geschich­ten zur Geschich­te von Kell­berg“. Die Fest­schrift soll zum kom­men­den Ern­te­dank­fest erschei­nen. Mit­her­aus­ge­ber und Gestal­ter Dio­nys Asen­kersch­bau­mer gab den Gäs­ten bereits einen klei­nen Vor­ge­schmack und prä­sen­tier­te eini­ge Lecker­bis­sen aus dem Buch, dar­un­ter die nächt­li­che Begeg­nung mit dem Teu­fel auf dem Kell­ber­ger Fried­hof, die sich am Ende aller­dings als Begeg­nung mit einer aus­ge­büchs­ten Geiß herausstellte.

Mit Freu­de sehen die Ver­ant­wort­li­chen für das Jubi­lä­ums­jahr den nächs­ten Ver­an­stal­tun­gen ent­ge­gen: dem Ern­te­dank­fest mit Leon­har­di­um­ritt, zu dem auch Abt Patrick Schöder aus Gött­weig sein Kom­men zuge­sagt hat, dem Film­abend mit dem Fil­me­ma­cher Wil­li Weit­zel am 30. Okto­ber sowie dem Vor­trag ​„Der wil­de Osten“ zur Geschich­te des Bay­er­wal­des am 19. Novem­ber mit Dr. Richard Loibl vom Haus der Baye­ri­schen Geschichte.

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