Die Pfarrei Kellberg zählt zu den ältesten Urpfarreien der Region. Ihre Gründung bzw. erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1076 und geht ausdrücklich auf Bischof Altmann von Passau zurück – einen der bedeutendsten Reformbischöfe des 11. Jahrhunderts. Altmann setzte in seinem Bistum die kirchlichen Erneuerungen Papst Gregors VII. durch: die Bekämpfung der Simonie, also des Kaufs geistlicher Ämter, die Abschaffung der Priesterehe und damit die Einführung des Pflichtzölibats sowie eine strenge kirchliche Disziplin. Um 1015 in Westfalen geboren, gründete er 1070 das Kloster St. Nikola in Passau als Reformkloster, das frei von weltlichem Einfluss bleiben sollte. Dorthin entrichtete die Pfarrei Kellberg später den sogenannten Bischofszehent. Die Vergabe dieses Zehents und die damit verbundene Pfarreigründung werden auf das Jahr 1076 datiert; die entsprechenden Hinweise finden sich in mehreren – wohl später abgefassten – Kaiser- und Papsturkunden.
Die Pfarrei Kellberg kann im Jahr 2026 auf eine 950-jährige Geschichte zurückblicken und dieses Jubiläum im kommenden Jahr gebührend feiern. Der 1. Adventssonntag, zugleich Beginn des neuen Kirchenjahres, markierte den feierlichen Auftakt. Bereits am Vorabend wies der Pfarrgemeinderat beim Weihnachtsmarkt im und vor dem Kurgästehaus auf das Jubiläum hin. Eine beeindruckende Bilderschau über die vier Jahreszeiten in Kellberg, gestaltet von Dionys Asenkerschbaumer, bot stimmungsvolle Eindrücke; zugleich wurde das von Hans Käser entworfene Jubiläumslogo vorgestellt. In seiner Predigt am Sonntag spannte Pfarrer Andreas Erndl den historischen Bogen zurück zum Ende des 11. Jahrhunderts, als im Investiturstreit der Konflikt zwischen Papst Gregor VII. und König Heinrich IV. eskalierte und Bischof Altmann schließlich aus Passau vertrieben wurde. Altmann starb 1091 im Kloster Göttweig.
Um das Jubiläumsjahr dauerhaft im Gedächtnis zu verankern, entstand im Festausschuss die Idee, einen künstlerisch gestalteten Gedenkstein nahe dem Kirchenportal zu errichten. Gemeindearchivar Josef Schauer entdeckte hierzu auf dem Hohlweg zwischen Fattendorf und Schmölz einen eindrucksvollen Granitfindling mit markanten Quarzgängen. Schnell war man sich einig, diesen Stein vom ortsansässigen Künstler Alfred Seidel gestalten zu lassen, der – in Anlehnung an die Geschichte der Pfarrei – passende Bronzeplastiken schaffen wird. Eine Projektgruppe aus der Pfarrei steht dazu in engem Austausch mit ihm. Ende November besichtigte man gemeinsam vor Ort den Stein an der historischen Verbindung zwischen Kellberg und Rothenkreuz. Für das Frühjahr ist ein öffentlicher Bronzeguss geplant; die feierliche Enthüllung des Gedenksteins soll im Rahmen des Altmannfests am 9. August 2025 erfolgen. (Dionys Asenkerschbaumer)
Das Projektteam aus Kellberg besichtigte den Granit-Findling im Hohlweg von Fattendorf nach Schmölz:
(v. li.) Künstler und Bronzegießer Alfred Seidel, PGR-Vorsitzender Hans Höfler, Hans Käser, Kirchenpfleger Rudi Schiermeier, Josef Schauer und Diakon Christoph Kochmann.
Foto: Dionys Asenkerschbaumer



