Ein Kunstwerk, das verbindet:

Andreas Erndl am 11.05.2026

Kellberg gießt sein Jubiläumsdenkmal

Von Dio­nys Asenkerschbaumer

Kell­berg. Zum 950-jäh­ri­gen Jubi­lä­um der Pfar­rei Kell­berg haben Pfarr­ge­mein­de­rat und Kir­chen­ver­wal­tung den Künst­ler Alfred Sei­del mit der Schaf­fung einer Bron­ze­plas­tik beauf­tragt. Zwei Leit­ge­dan­ken prä­gen das Werk: ein Turm auf einem Berg und Grup­pen von Men­schen, die gemein­sam unter­wegs sind.

Ihren Sockel fin­det die Plas­tik auf einem mäch­ti­gen Quarz­find­ling, des­sen natür­li­che Form an einen Berg erin­nert. Auf­ge­spürt und ins Gespräch gebracht hat­te ihn Gemein­de­ar­chi­var Josef Schau­er. Der Turm auf dem Berg ist dabei mehr als blo­ßes Motiv: Er ver­weist auf den Ursprung des Orts­na­mens selbst. In den ältes­ten über­lie­fer­ten Urkun­den begeg­net uns der Pfarr­ort als Che­lich­berg oder Kelk­perch das wohl auf das kel­ti­sche Wort Keli­knon für ​„Turm“ zurück­geht, was den Namen ​„Turm­berg“ ergibt. Auch eine alte Sage vom Kir­chen­bau in Kell­berg weiß von einem Turm zu berich­ten, der einst an die­ser Stel­le gestan­den haben soll.

Die Figu­ren­grup­pen, die neben dem Turm zu sehen sein wer­den, tra­gen eine eben­so tie­fe sym­bo­li­sche Bot­schaft: Sie ste­hen für den ​„Syn­oda­len Weg“, das Bild vom ​„Volk Got­tes auf dem Weg“ im Geis­te von Papst Fran­zis­kus und sei­nes Nach­fol­gers Leo XIV. Die­se syn­oda­le Hal­tung strebt eine stär­ke­re Betei­li­gung von Gläu­bi­gen, Pries­tern und Bischö­fen an den Ent­schei­dungs­pro­zes­sen der Kir­che an. Durch ein ​„Mit­ein­an­der-Hören und gemein­sa­mes Unter­schei­den“ wächst so ein gemein­sa­mer geist­li­cher Weg der Kir­che, der alle betei­li­gen will. Zum Ideen­ge­ber auf Pfarr­ebe­ne wur­de PGR-Vor­sit­zen­der Hans Käser, der als Mit­glied des Diö­ze­san­rats Pas­sau im ver­gan­ge­nen Jahr an einem inter­na­tio­na­len Tref­fen zur Syn­oda­li­tät in Rom teil­nahm, bei dem die­ser syn­oda­le Weg des gemein­sa­men Hörens, Bera­tens und geist­li­chen Unter­schei­dens erlebt und ein­ge­übt wurde.

Das Mit­ein­an­der soll­te auch der Guss selbst ver­kör­pern. Alfred Sei­del hat­te die Pfarr­ge­mein­de auf­ge­ru­fen, Kup­fer, Zinn und Mes­sing­tei­le bei­zu­steu­ern und vor Ort in den Schmelz­ofen zu geben. ​„Es soll ein Kunst­werk sein, mit dem sich die Men­schen hier iden­ti­fi­zie­ren kön­nen, weil sie im wört­li­chen Sin­ne einen Teil dazu bei­tra­gen“, so der Künst­ler. Und die Reso­nanz war über­wäl­ti­gend: An einem lau­en Früh­lings­abend fan­den sich gut fünf­zig Men­schen und mehr im Berg­feld ein, um dem beein­dru­cken­den Schau­spiel bei­zu­woh­nen und reich­lich Alt­me­tall zu spen­den. Bür­ger­meis­ter Franz Maut­ner war eben­so zuge­gen wie Pfar­rer Andre­as Erndl, der für die­se gemein­schaft­li­che Akti­on der Kell­ber­ger herz­li­che und aner­ken­nen­de Wor­te fand.

Ein Bron­ze­guss for­dert frei­lich Geduld: Bis der Ofen die Metall­tei­le im Schmelz­tie­gel auf jene rund 1000 °C gebracht hat, bei der die flüs­si­ge Legie­rung in die vor­be­rei­te­te Form flie­ßen kann, ver­ge­hen etli­che Stun­den. Kir­chen­ver­wal­tung und Pfarr­ge­mein­de­rat hat­ten vor­ge­sorgt, Bier­ti­sche luden zum gesel­li­gen Ver­wei­len ein, und bei Bier und Wein ent­span­nen sich ange­reg­te Gesprä­che. Berei­chernd kam hin­zu, dass Alfred Sei­del, einst Kunst­er­zie­her und Dozent an der Uni­ver­si­tät Pas­sau, die Gäs­te in die fas­zi­nie­ren­de Geschich­te und Tech­nik des Bron­ze­gus­ses ein­führ­te, die bis ins 3. Jahr­tau­send vor Chris­tus nach Meso­po­ta­mi­en und Ägyp­ten zurückreicht.

Nach Ein­bruch der Dun­kel­heit war es dann so weit: Assis­tiert von sei­nem Sohn Ste­fan goss Alfred Sei­del die glü­hend hei­ße Bron­ze in eine der drei vor­be­rei­te­ten Gips­for­men. Für die meis­ten Anwe­sen­den war es ein zutiefst sinn­li­ches Erleb­nis, das Leuch­ten der hell­oran­ge­nen Mas­se, das Zischen und Rau­chen, die Hit­ze und der cha­rak­te­ris­ti­sche Geruch des Metalls hin­ter­lie­ßen blei­ben­de Ein­drü­cke, beson­ders bei jenen, die einem sol­chen Guss zum ers­ten Mal bei­wohn­ten. Am Ende ern­te­te Alfred Sei­del ver­dien­ten Applaus. Das fer­ti­ge Werk selbst blieb frei­lich noch ver­bor­gen, denn bis die Form aus­ge­kühlt ist und geöff­net wer­den kann, braucht es Zeit.

Der gro­ße Moment der Ent­hül­lung schließ­lich soll bei der zen­tra­len 950-Jahr-Fei­er am 9. August kom­men. Bischof Dr. Ste­fan Oster hat sein Kom­men zuge­sagt und wird das Kunst­werk fei­er­lich einweihen.

Im Frei­licht­ate­lier von Alfred Sei­del, vor der Kulis­se Pfarr­kir­che Kell­berg ste­hen die Män­ner, die Jubi­lä­um und Bron­ze­denk­mal mög­lich machen (von links): Kir­chen­pfle­ger Rudi Schier­mei­er, Pfar­rer Andre­as Erndl, Künst­ler Alfred Sei­del, Gemein­de­ar­chi­var Josef Schau­er, Chef­pla­ner des Jubi­lä­ums­jah­res Hans Höf­ler, Pfarr­ge­mein­de­rats-Vor­sit­zen­der Hans Käser und Bür­ger­meis­ter Franz Maut­ner. Foto: Dio­nys Asenkerschbaumer

Im oran­ge­ro­ten Schein der glü­hen­den Bron­ze gie­ßen Alfred Sei­del (links) und sein Sohn Ste­fan die rund 1000 °C hei­ße Metall­schmel­ze in eine vor­be­rei­te­te Gips­form. Gebannt ver­fol­gen zahl­rei­che Besu­cher aus Kell­berg und Umge­bung jeden Hand­griff die­ses ein­drucks­vol­len Schau­spiels. Foto: Dio­nys Asenkerschbaumer

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