Von Dionys Asenkerschbaumer
Kellberg. Zum 950-jährigen Jubiläum der Pfarrei Kellberg haben Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung den Künstler Alfred Seidel mit der Schaffung einer Bronzeplastik beauftragt. Zwei Leitgedanken prägen das Werk: ein Turm auf einem Berg und Gruppen von Menschen, die gemeinsam unterwegs sind.
Ihren Sockel findet die Plastik auf einem mächtigen Quarzfindling, dessen natürliche Form an einen Berg erinnert. Aufgespürt und ins Gespräch gebracht hatte ihn Gemeindearchivar Josef Schauer. Der Turm auf dem Berg ist dabei mehr als bloßes Motiv: Er verweist auf den Ursprung des Ortsnamens selbst. In den ältesten überlieferten Urkunden begegnet uns der Pfarrort als Chelichberg oder Kelkperch das wohl auf das keltische Wort Keliknon für „Turm“ zurückgeht, was den Namen „Turmberg“ ergibt. Auch eine alte Sage vom Kirchenbau in Kellberg weiß von einem Turm zu berichten, der einst an dieser Stelle gestanden haben soll.
Die Figurengruppen, die neben dem Turm zu sehen sein werden, tragen eine ebenso tiefe symbolische Botschaft: Sie stehen für den „Synodalen Weg“, das Bild vom „Volk Gottes auf dem Weg“ im Geiste von Papst Franziskus und seines Nachfolgers Leo XIV. Diese synodale Haltung strebt eine stärkere Beteiligung von Gläubigen, Priestern und Bischöfen an den Entscheidungsprozessen der Kirche an. Durch ein „Miteinander-Hören und gemeinsames Unterscheiden“ wächst so ein gemeinsamer geistlicher Weg der Kirche, der alle beteiligen will. Zum Ideengeber auf Pfarrebene wurde PGR-Vorsitzender Hans Käser, der als Mitglied des Diözesanrats Passau im vergangenen Jahr an einem internationalen Treffen zur Synodalität in Rom teilnahm, bei dem dieser synodale Weg des gemeinsamen Hörens, Beratens und geistlichen Unterscheidens erlebt und eingeübt wurde.
Das Miteinander sollte auch der Guss selbst verkörpern. Alfred Seidel hatte die Pfarrgemeinde aufgerufen, Kupfer, Zinn und Messingteile beizusteuern und vor Ort in den Schmelzofen zu geben. „Es soll ein Kunstwerk sein, mit dem sich die Menschen hier identifizieren können, weil sie im wörtlichen Sinne einen Teil dazu beitragen“, so der Künstler. Und die Resonanz war überwältigend: An einem lauen Frühlingsabend fanden sich gut fünfzig Menschen und mehr im Bergfeld ein, um dem beeindruckenden Schauspiel beizuwohnen und reichlich Altmetall zu spenden. Bürgermeister Franz Mautner war ebenso zugegen wie Pfarrer Andreas Erndl, der für diese gemeinschaftliche Aktion der Kellberger herzliche und anerkennende Worte fand.
Ein Bronzeguss fordert freilich Geduld: Bis der Ofen die Metallteile im Schmelztiegel auf jene rund 1000 °C gebracht hat, bei der die flüssige Legierung in die vorbereitete Form fließen kann, vergehen etliche Stunden. Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat hatten vorgesorgt, Biertische luden zum geselligen Verweilen ein, und bei Bier und Wein entspannen sich angeregte Gespräche. Bereichernd kam hinzu, dass Alfred Seidel, einst Kunsterzieher und Dozent an der Universität Passau, die Gäste in die faszinierende Geschichte und Technik des Bronzegusses einführte, die bis ins 3. Jahrtausend vor Christus nach Mesopotamien und Ägypten zurückreicht.
Nach Einbruch der Dunkelheit war es dann so weit: Assistiert von seinem Sohn Stefan goss Alfred Seidel die glühend heiße Bronze in eine der drei vorbereiteten Gipsformen. Für die meisten Anwesenden war es ein zutiefst sinnliches Erlebnis, das Leuchten der hellorangenen Masse, das Zischen und Rauchen, die Hitze und der charakteristische Geruch des Metalls hinterließen bleibende Eindrücke, besonders bei jenen, die einem solchen Guss zum ersten Mal beiwohnten. Am Ende erntete Alfred Seidel verdienten Applaus. Das fertige Werk selbst blieb freilich noch verborgen, denn bis die Form ausgekühlt ist und geöffnet werden kann, braucht es Zeit.
Der große Moment der Enthüllung schließlich soll bei der zentralen 950-Jahr-Feier am 9. August kommen. Bischof Dr. Stefan Oster hat sein Kommen zugesagt und wird das Kunstwerk feierlich einweihen.
Im Freilichtatelier von Alfred Seidel, vor der Kulisse Pfarrkirche Kellberg stehen die Männer, die Jubiläum und Bronzedenkmal möglich machen (von links): Kirchenpfleger Rudi Schiermeier, Pfarrer Andreas Erndl, Künstler Alfred Seidel, Gemeindearchivar Josef Schauer, Chefplaner des Jubiläumsjahres Hans Höfler, Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Hans Käser und Bürgermeister Franz Mautner. Foto: Dionys Asenkerschbaumer
Im orangeroten Schein der glühenden Bronze gießen Alfred Seidel (links) und sein Sohn Stefan die rund 1000 °C heiße Metallschmelze in eine vorbereitete Gipsform. Gebannt verfolgen zahlreiche Besucher aus Kellberg und Umgebung jeden Handgriff dieses eindrucksvollen Schauspiels. Foto: Dionys Asenkerschbaumer


