Kellberg. Anlässlich der 950-Jahr-Feier der Pfarrei Kellberg kam jetzt der bekannte Kinderfernseh-Moderator Willi Weitzel, ein Freund des Kellberger Dokumentarfilmers Max Kronawitter in den Luftkurort. Gemeinsam präsentierten die beiden im Kurgästehaus zwei Filme.
Der Pfarrgemeinderat hatte zusammen mit den Ministranten einen Kinoabend auf großer Leinwand vorbereitet, mit Popcorn und Getränken, fast wie im richtigen Kino. Moderiert von Hans Käser betrat Willi Weitzel unter tosendem Applaus den Saal und die Bühne und begrüßte die gut 170 Besucher, darunter viele Kinder. Ebenso willkommen hieß er die „erwachsenen Kinder“, wie er die zahlreichen Eltern nannte. Viele von ihnen waren gekommen, weil sie den sympathischen TV-Reporter noch aus seiner beliebten Sendung „Willi wills wissen“ kennen. Sie lief von 2002 bis 2010 in der ARD und wird bis heute gern auf YouTube angesehen.
Der gebürtige Hesse erzählte, wie er 2014 mit seinem Bruder einen Hilfstransport plante und dafür einen Dokumentarfilmer suchte. So lernte er den gebürtigen Kellberger Max Kronawitter kennen. Wie der Zufall es wollte, stammten beide aus einer Einzelhandelsfamilie und verstanden sich auf Anhieb blendend.
So entstand der Film „Willi will helfen“, in dem Max Kronawitter ihn auf einem abenteuerlichen Hilfstransport in ein Flüchtlingscamp an der türkisch-syrischen Grenze begleitete. Diesen Film, 2015 in der ARD ausgestrahlt, zeigten die beiden zuerst. Er machte die Not der geflüchteten Kinder hautnah spürbar, die alles zurücklassen mussten: ihr Hab und Gut, ihr Zuhause, ihre Heimat.
Inspiriert habe ihn Papst Franziskus, so Weitzel. Sinngemäß zitierte er ihn mit den Worten: „Dreht euch nicht um euch selbst, kümmert euch um die anderen, dann werden auch eure eigenen Sorgen kleiner!“ Dieser Gedanke sei seine Motivation gewesen, aufzubrechen und syrischen Flüchtlingskindern zu helfen. Mit einer Portion Naivität zwar und mit manch unangenehmer Erfahrung, wie der Film zeigt, denn so einfach, wie man es sich idealerweise vorstellt, laufe nicht alles. Letztlich sei er aber zufrieden und glücklich zurückgekehrt.
Ohne Zweifel wurde Willi Weitzel mit „Willi wills wissen“, in der er Kindern die Welt erklärte, zum Fernsehstar. Der zweite Film des Abends, „Willi will noch mehr wissen“, ebenfalls von Max Kronawitter, lief 2021 in der ARD. Das persönliche Porträt erzählt, warum Willi auf dem Höhepunkt seiner Kindersendung ausstieg und wie ihn eine Lebenskrise und ein Rückzug ins Kloster zur Frage „Wer bin ich eigentlich?“ führten. Der Film zeigt auch sein Leben mit Frau und Töchtern und seinen Wunsch, sich die kindliche Neugier möglichst zu bewahren. Inzwischen geht Weitzel neue Wege mit Sternsinger-Filmen und engagiert sich weiterhin für Kinder.
Auf der Bühne stellte sich Willi den Fragen der Besucher. Er erzählte, dass er über den Umweg eines Theologiestudiums zu seinem Traumjob beim Fernsehen gekommen sei und heute in Andechs lebe. Der zehnjährige Paul wollte wissen, welche Hobbys er hat, und erfuhr, dass Willi gern Tischtennis und Fußball spielt und seit seiner Kindheit Fan des FC Bayern München ist. Pfarrer Erndl fragte, was seine Arbeit mit Kindern mit dem Glauben zu tun habe. Weitzel antwortete offen: Es gehe um den Mut zum Träumen und um die kindliche Gabe, sich vom Leben letztlich nicht enttäuschen zu lassen. Diese Haltung wolle er sich selbst gern bewahren.
In Kellberg verzichtete Willi Weitzel komplett auf sein Honorar. Die gesamten Einnahmen des Abends gehen an ein Projekt auf den Philippinen, das ihm genauso am Herzen liegt wie Max Kronawitter. Pater Heinz Kulüke kümmert sich in Cebu City um die Ärmsten der Armen, Menschen, die auf den dortigen Müllkippen leben. Der Steyler Missionar gewann ihr Vertrauen und baute sogar eine Schule in der Umgebung, in der die „Müllkinder“ eine grundlegende Bildung erhalten. Max Kronawitter berichtete von diesem Projekt und von Pater Heinz, der freiwillig mehrere Wochen selbst auf einem solchen Müllberg gelebt und dabei viele Betroffene kennengelernt hat. Auf diese Weise gewann er das Vertrauen vieler Menschen.
Nach der Veranstaltung musste Willi Weitzel noch mindestens eine halbe Stunde lang Autogramme schreiben, nicht nur für Kinder. Jedem Einzelnen wandte er sich zu und fand ein paar freundliche, verbindende Worte. Die Organisatoren der Pfarrgemeinde waren sich einig: Willi ist ein Star zum Anfassen, ohne Allüren, bescheiden, präsent und menschennah. Ein Vorbild für Jung und Alt.
Die letzte größere Veranstaltung des Kellberger Jubiläumsjahres findet am 19. November im Kurgästehaus statt. Dr. Richard Loibl, Leiter des Hauses der Bayerischen Geschichte, erzählt dann in seinem Vortrag „Grüße aus dem Wilden Osten“ anhand alter Ansichtskarten humorvoll die Kulturgeschichte des Bayerischen Waldes.


