“Am 4. Advent hatte ich zufällig am Sonntagvormittag keinen eigenen Gottesdienst. So bin ich spontan in den evangelischen Gottesdienst nach Hauzenberg gegangen. Für mich ist es immer wieder etwas besonderes, wenn ich als Pfarrer nicht vorne stehe, sondern einfach in der Kirchenbank sitzen darf. Beim evangelischen Gottesdienst durfte ich ganz unerkannt mitfeiern. Beim Hinausgehen hat mich jedoch mein evangelischer Kollege gleich angesprochen: “Andreas”. Er war hocherfreut über diesen ungewöhnlichen Kirchenbesucher und er hatte gleich ein Anliegen. Er bat mich nach vorne zur Krippe in der Kirche und zeigte mir dort das Jesuskind in der Krippe. Er erzählte mir, dass er einmal mit einem katholischen Kollegen mit dem Jesuskind aus beiden Kirchen in verschiedene Häuser ging und mit dem Menschen ins Gespräch kam über die Weihnachtsbotschaft. Seine Worte waren ungefähr so: “Gott hat uns durch den Propheten Ezechiel gesagt, dass er mitten unter uns wohnt. Jetzt kommen wir mit dem Jesuskind zu Ihnen um ihnen zu sagen, dass Gott mit ihnen wohnt”. Jonathan sagte dann zu mir: “Hättest du spontan Lust das auszuprobieren?”. Ich sagte spontan zu und wir verabredeten uns für den 23.12. in Thyrnau. Jeder hatte sein Jesuskind dabei und mit ihnen gingen wir dann von Haus zu Haus: ins Cafe, ins Wirtshaus, zum Getränkemarkt, ins Kloster, in die Bank und die Arztpraxis. Ich sagte zu Beginn immer: “Das ist mein evangelischer Kollege Jonathan Steensen und wir sind mit dem Jesuskind unterwegs”. Wir hatten spannende Gespräche mit den Menschen und wurden überall gut aufgenommen. Am Ende haben wir unsere Christkinder vertauscht, als Zeichen der Ökumene. So kam es, dass dieses Jahr an Weihnachten das Christkind aus Thyrnau in Hauzenberg sein durfte und das Hauzenberger Christkind in Thyrnau. Aus den Erlebnissen des Spaziergangs entstand dann meine diesjährige Weihnachtspredigt. Vielleicht muss ich öfters mal als katholischer Pfarrer in einen evangelischen Gottesdienst gehen, wenn dadurch so schöne Dinge entstehen. Jedenfalls hätte ich Lust mit Jonathan nächstes Jahr wieder mit den Christkindern unterwegs zu sein.” (Pfarrer Andreas Erndl)
Weihnachtspredigt von Pfarrer Andreas Erndl
“Heute habe ich öfters im Radio gehört, dass in München 600 Obdachlose Weihnachten im Hofbräuhaus feiern. Das hat mich berührt. 600 Menschen, die ohne Wohnung sind, finden für kurze Zeit an Weihnachten ein Zuhause. Weihnachten ist ja das Fest, das man da feiert, wo man zu hause ist. Mit den Menschen, mit denen man wohnt. Weihnachten ist das Fest der Familie. Wo wir uns in den Häusern versammeln. Uns gegenseitig beschenken und wo wir einander sagen, wie wichtig wir uns sind. Wie gern wir einander haben. Wo wir Weihnachtswünsche weitergeben an unsere Lieben. Weihnachten ist das Fest der menschlichen Verbundenheit. Wo Gemeinschaft erfahrbar wird. Und dennoch gibt es Menschen, für die Weihnachten nicht mehr so ist, wie es vielleicht früher war, oder für die Weihnachten eine Herausforderung ist. Menschen, die ohne Wohnung sind, wie diese 600 Obdachlosen. Aber auch Menschen, die eine Wohnung haben, aber seelisch sich vielleicht ohne Wohnung fühlen. Denn Wohnung verbinden wir ja oft auch mit Menschen. Ich wohne mit meiner Frau, mit meinen Mann, meinen Eltern usw. Aber es gibt viele Menschen, die auch alleine wohnen. Und die Weihnachten auch alleine feiern. Aus verschiedenen Gründen. Vielleicht ist der Partner verstorben, oder man lebt getrennt, oder man ist einfach Single. Auch alleine kann man es sich schön machen. Aber es gibt eben auch Menschen, die eben keine klassische Weihnachtsidylle erleben. Und die sich vielleicht an diesen Tagen an vergangene Weihnachten erinnern, oder danach sehnen Weihnachten wieder im Kreis ihrer Lieben zu feiern.
Wenn wir auf die Weihnachtsgeschichte schauen, dann sehen wir hier auch zwei Menschen, die auf der Suche nach Obdach sind. Maria und Josef, sie bitten um Aufnahme, aber niemand öffnet ihnen die Türen. Sie finden letztlich Platz in einem Stall. Dort wird ihr Kind geboren. Das Kind, dass Gott selbst ist: Jesus Christus. Gott kommt zu Menschen als kleines Kind und er kommt als Obachloser, als Wohnungsloser. Er hat erstmal kein Zuhause, als den Stall. Aber er ist nicht allein, seine Eltern sind da und dann auch die Engel und die Hirten, die Heiligen drei Könige. Mich haben dieses Weihnachten die Bibelstellen berührt, wo es heißt: Gott wohnt unter uns Menschen. Der Prophet Ezechiel überbringt die Botschaft Gottes: Er sagt: „Meine Wohnung wird bei ihnen sein.“ Gott wird bei uns wohnen. In Jesus Christus wird dies Wirklichkeit. Weihnachten ist das Fest, wo wir feiern, dass Gott bei uns, in unsere Welt, eingezogen ist. Das er seitdem bei uns wohnt. Im Johannes-Evangelium heißt es: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“. Gott wohnt unter uns. Er ist der Emmanuel – was übersetzt heißt: Gott ist mit uns.
Wenn sie dieses Jahr Weihnachten feiern, dann sind sie sicher dankbar für die Menschen, die mit ihnen wohnen. Und für die Menschen, die sie in ihre Wohnungen aufnehmen. Ich habe dieses Weihnachten etwas besonderes erlebt. Mein evangelischer Kollege Jonathan Steensen hat mich eingeladen mit dem Jesuskind unserer Krippen zu den Menschen zu gehen: wir gingen ins Cafe, ins Wirtshaus, in die Bank, in die Arztpraxis, in den Getränkeladen und ins Kloster. Und wir haben den Menschen dort das kleine Jesuskind gezeigt und gegeben. Zusammen mit der Botschaft. Gott kommt zu euch. Er wohnt bei euch. Nicht nur in der Kirche, sondern da wo ihr seid, wo ihr wohnt, oder arbeitet, oder einfach lebt. Es waren besondere Gespräche über die ich dankbar bin. Am Ende haben Jonathan und ich unsere Christkinder ausgetauscht – als symbolisches Zeichen. Gott wohnt nicht nur bei den Katholiken oder bei den Evangelischen. Er findet überall dort Aufnahme, wo Menschen ihr Herz für ihn öffnen. Weihnachten sagt uns: Gott möchte unter uns wohnen. Er möchte bei jeden Menschen wohnen. Seit Christi Geburt wohnt Gott bei uns. Er wohnt mit uns, in unserem Häusern und er wohnt in unseren Herzen. Wir schenken uns in diesen Tagen viele materielle Dinge, aber die wertvollsten Dinge sind doch die, die man nicht kaufen kann. Das ist die Liebe von Menschen, die Dankbarkeit, Gesundheit und Zufriedenheit, gerade auch der Friede. All das Gute. Das größte Geschenk von Weihnachten ist jedoch Gott selbst. Er ist die Quelle dieser guten Dinge. Er ist die Liebe, er ist der Friede und er ist unser Heil. Wenn Gott bei uns wohnt, dann sind wir gesegnet. Dann ist unser Leben eingebettet in das Geheimnis Gottes. Dann wohnen auch wir bei Gott und Gott wohnt bei uns. Ich wünsche Ihnen, dass sie in diesen Tagen spüren: Gott wohnt bei mir, in meinem Herzen und durch die Menschen. Amen.”


