Ein Weihnachtsspaziergang mit dem Christkind

Andreas Erndl am 24.12.2025

Am 23.12. hat mich Pfarrer Jonathan Steensen eingeladen mit Christkind zu den Menschen zu gehen.

“Am 4. Advent hat­te ich zufäl­lig am Sonn­tag­vor­mit­tag kei­nen eige­nen Got­tes­dienst. So bin ich spon­tan in den evan­ge­li­schen Got­tes­dienst nach Hau­zen­berg gegan­gen. Für mich ist es immer wie­der etwas beson­de­res, wenn ich als Pfar­rer nicht vor­ne ste­he, son­dern ein­fach in der Kir­chen­bank sit­zen darf. Beim evan­ge­li­schen Got­tes­dienst durf­te ich ganz uner­kannt mit­fei­ern. Beim Hin­aus­ge­hen hat mich jedoch mein evan­ge­li­scher Kol­le­ge gleich ange­spro­chen: ​“Andre­as”. Er war hoch­er­freut über die­sen unge­wöhn­li­chen Kir­chen­be­su­cher und er hat­te gleich ein Anlie­gen. Er bat mich nach vor­ne zur Krip­pe in der Kir­che und zeig­te mir dort das Jesus­kind in der Krip­pe. Er erzähl­te mir, dass er ein­mal mit einem katho­li­schen Kol­le­gen mit dem Jesus­kind aus bei­den Kir­chen in ver­schie­de­ne Häu­ser ging und mit dem Men­schen ins Gespräch kam über die Weih­nachts­bot­schaft. Sei­ne Wor­te waren unge­fähr so: ​“Gott hat uns durch den Pro­phe­ten Eze­chi­el gesagt, dass er mit­ten unter uns wohnt. Jetzt kom­men wir mit dem Jesus­kind zu Ihnen um ihnen zu sagen, dass Gott mit ihnen wohnt”. Jona­than sag­te dann zu mir: ​“Hät­test du spon­tan Lust das aus­zu­pro­bie­ren?”. Ich sag­te spon­tan zu und wir ver­ab­re­de­ten uns für den 23.12. in Thyr­n­au. Jeder hat­te sein Jesus­kind dabei und mit ihnen gin­gen wir dann von Haus zu Haus: ins Cafe, ins Wirts­haus, zum Geträn­ke­markt, ins Klos­ter, in die Bank und die Arzt­pra­xis. Ich sag­te zu Beginn immer: ​“Das ist mein evan­ge­li­scher Kol­le­ge Jona­than Steen­sen und wir sind mit dem Jesus­kind unter­wegs”. Wir hat­ten span­nen­de Gesprä­che mit den Men­schen und wur­den über­all gut auf­ge­nom­men. Am Ende haben wir unse­re Christ­kin­der ver­tauscht, als Zei­chen der Öku­me­ne. So kam es, dass die­ses Jahr an Weih­nach­ten das Christ­kind aus Thyr­n­au in Hau­zen­berg sein durf­te und das Hau­zen­ber­ger Christ­kind in Thyr­n­au. Aus den Erleb­nis­sen des Spa­zier­gangs ent­stand dann mei­ne dies­jäh­ri­ge Weih­nachts­pre­digt. Viel­leicht muss ich öfters mal als katho­li­scher Pfar­rer in einen evan­ge­li­schen Got­tes­dienst gehen, wenn dadurch so schö­ne Din­ge ent­ste­hen. Jeden­falls hät­te ich Lust mit Jona­than nächs­tes Jahr wie­der mit den Christ­kin­dern unter­wegs zu sein.” (Pfar­rer Andre­as Erndl) 

Weihnachtspredigt von Pfarrer Andreas Erndl

“Heu­te habe ich öfters im Radio gehört, dass in Mün­chen 600 Obdach­lo­se Weih­nach­ten im Hof­bräu­haus fei­ern. Das hat mich berührt. 600 Men­schen, die ohne Woh­nung sind, fin­den für kur­ze Zeit an Weih­nach­ten ein Zuhau­se. Weih­nach­ten ist ja das Fest, das man da fei­ert, wo man zu hau­se ist. Mit den Men­schen, mit denen man wohnt. Weih­nach­ten ist das Fest der Fami­lie. Wo wir uns in den Häu­sern ver­sam­meln. Uns gegen­sei­tig beschen­ken und wo wir ein­an­der sagen, wie wich­tig wir uns sind. Wie gern wir ein­an­der haben. Wo wir Weih­nachts­wün­sche wei­ter­ge­ben an unse­re Lie­ben. Weih­nach­ten ist das Fest der mensch­li­chen Ver­bun­den­heit. Wo Gemein­schaft erfahr­bar wird. Und den­noch gibt es Men­schen, für die Weih­nach­ten nicht mehr so ist, wie es viel­leicht frü­her war, oder für die Weih­nach­ten eine Her­aus­for­de­rung ist. Men­schen, die ohne Woh­nung sind, wie die­se 600 Obdach­lo­sen. Aber auch Men­schen, die eine Woh­nung haben, aber see­lisch sich viel­leicht ohne Woh­nung füh­len. Denn Woh­nung ver­bin­den wir ja oft auch mit Men­schen. Ich woh­ne mit mei­ner Frau, mit mei­nen Mann, mei­nen Eltern usw. Aber es gibt vie­le Men­schen, die auch allei­ne woh­nen. Und die Weih­nach­ten auch allei­ne fei­ern. Aus ver­schie­de­nen Grün­den. Viel­leicht ist der Part­ner ver­stor­ben, oder man lebt getrennt, oder man ist ein­fach Sin­gle. Auch allei­ne kann man es sich schön machen. Aber es gibt eben auch Men­schen, die eben kei­ne klas­si­sche Weih­nachts­idyl­le erle­ben. Und die sich viel­leicht an die­sen Tagen an ver­gan­ge­ne Weih­nach­ten erin­nern, oder danach seh­nen Weih­nach­ten wie­der im Kreis ihrer Lie­ben zu feiern. 

Wenn wir auf die Weih­nachts­ge­schich­te schau­en, dann sehen wir hier auch zwei Men­schen, die auf der Suche nach Obdach sind. Maria und Josef, sie bit­ten um Auf­nah­me, aber nie­mand öff­net ihnen die Türen. Sie fin­den letzt­lich Platz in einem Stall. Dort wird ihr Kind gebo­ren. Das Kind, dass Gott selbst ist: Jesus Chris­tus. Gott kommt zu Men­schen als klei­nes Kind und er kommt als Obach­lo­ser, als Woh­nungs­lo­ser. Er hat erst­mal kein Zuhau­se, als den Stall. Aber er ist nicht allein, sei­ne Eltern sind da und dann auch die Engel und die Hir­ten, die Hei­li­gen drei Köni­ge. Mich haben die­ses Weih­nach­ten die Bibel­stel­len berührt, wo es heißt: Gott wohnt unter uns Men­schen. Der Pro­phet Eze­chi­el über­bringt die Bot­schaft Got­tes: Er sagt: ​„Mei­ne Woh­nung wird bei ihnen sein.“ Gott wird bei uns woh­nen. In Jesus Chris­tus wird dies Wirk­lich­keit. Weih­nach­ten ist das Fest, wo wir fei­ern, dass Gott bei uns, in unse­re Welt, ein­ge­zo­gen ist. Das er seit­dem bei uns wohnt. Im Johan­nes-Evan­ge­li­um heißt es: ​„Und das Wort ist Fleisch gewor­den und hat unter uns gewohnt.“. Gott wohnt unter uns. Er ist der Emma­nu­el – was über­setzt heißt: Gott ist mit uns. 

Wenn sie die­ses Jahr Weih­nach­ten fei­ern, dann sind sie sicher dank­bar für die Men­schen, die mit ihnen woh­nen. Und für die Men­schen, die sie in ihre Woh­nun­gen auf­neh­men. Ich habe die­ses Weih­nach­ten etwas beson­de­res erlebt. Mein evan­ge­li­scher Kol­le­ge Jona­than Steen­sen hat mich ein­ge­la­den mit dem Jesus­kind unse­rer Krip­pen zu den Men­schen zu gehen: wir gin­gen ins Cafe, ins Wirts­haus, in die Bank, in die Arzt­pra­xis, in den Geträn­ke­la­den und ins Klos­ter. Und wir haben den Men­schen dort das klei­ne Jesus­kind gezeigt und gege­ben. Zusam­men mit der Bot­schaft. Gott kommt zu euch. Er wohnt bei euch. Nicht nur in der Kir­che, son­dern da wo ihr seid, wo ihr wohnt, oder arbei­tet, oder ein­fach lebt. Es waren beson­de­re Gesprä­che über die ich dank­bar bin. Am Ende haben Jona­than und ich unse­re Christ­kin­der aus­ge­tauscht – als sym­bo­li­sches Zei­chen. Gott wohnt nicht nur bei den Katho­li­ken oder bei den Evan­ge­li­schen. Er fin­det über­all dort Auf­nah­me, wo Men­schen ihr Herz für ihn öff­nen. Weih­nach­ten sagt uns: Gott möch­te unter uns woh­nen. Er möch­te bei jeden Men­schen woh­nen. Seit Chris­ti Geburt wohnt Gott bei uns. Er wohnt mit uns, in unse­rem Häu­sern und er wohnt in unse­ren Her­zen. Wir schen­ken uns in die­sen Tagen vie­le mate­ri­el­le Din­ge, aber die wert­volls­ten Din­ge sind doch die, die man nicht kau­fen kann. Das ist die Lie­be von Men­schen, die Dank­bar­keit, Gesund­heit und Zufrie­den­heit, gera­de auch der Frie­de. All das Gute. Das größ­te Geschenk von Weih­nach­ten ist jedoch Gott selbst. Er ist die Quel­le die­ser guten Din­ge. Er ist die Lie­be, er ist der Frie­de und er ist unser Heil. Wenn Gott bei uns wohnt, dann sind wir geseg­net. Dann ist unser Leben ein­ge­bet­tet in das Geheim­nis Got­tes. Dann woh­nen auch wir bei Gott und Gott wohnt bei uns. Ich wün­sche Ihnen, dass sie in die­sen Tagen spü­ren: Gott wohnt bei mir, in mei­nem Her­zen und durch die Men­schen. Amen.”

Weitere Nachrichten

26.10.2026

Neuer Pfarrbrief online

Unser neuer Pfarrbrief ist online erhältlich

12.10.2026

Ehejubiläumsgottesdienst

am Samstag den 21.11.2026 um 18 Uhr in Strasskirchen

12.10.2026

Angebot zur Trauerbegleitung

Wir sind für sie da