Segen für Mensch und Tier
Kellberg. Traditionell wird in Kellberg am zweiten Oktobersonntag das Erntedankfest gefeiert – so auch in diesem Jahr. Verbunden war die Feier am vergangenen Sonntag wieder mit dem Leonhardiumritt, der Pferdesegnung und dem anschließenden Pfarrfest. Das Wetter zeigte sich ideal: zwar ohne Sonne, doch mit hoher Bewölkung, trocken und angenehm mild.
Bereits um 10 Uhr versammelten sich der Heimat- und Trachtenverein, die Feuerwehr sowie der KSV Kellberg mit ihren Fahnenabordnungen beim Lindenhof, um in feierlicher Prozession in die Pfarrkirche St. Blasius einzuziehen. Vier Männer des Trachtenvereins trugen die neu gebundene Erntekrone, die unter der Leitung von Fahnenmutter Christine Bremm kunstvoll gefertigt worden war. Begleitet wurde der Zug von der Blaskapelle „Bleh-Haffa“ unter der Leitung von Leo Schauer. Das Gotteshaus, diesmal bis auf den letzten Platz gefüllt mit Kindern und Erwachsenen, war festlich geschmückt: Rund um den Altar arrangierte der Frauenbund mit viel Liebe bunte Erntegaben, Feld- und Gartenfrüchte. Die Kindergartenkinder, begleitet von Andrea May und ihrem Team, brachten ihre Körbchen voller Früchte, die zur Gabenbereitung gesegnet wurden. In seiner Predigt stellte Pfarrer Andreas Erndl die Dankbarkeit in den Mittelpunkt. Angelehnt an das Evangelium von der Heilung der zehn Aussätzigen beschrieb er sie als die tiefste Form des Glaubens. Alles Leben, so der Pfarrer, sei Geschenk – und gerade deshalb dürften, ja sollten wir Gott danken: vor allem für das Jetzt. Am Ende des Festgottesdienstes dankten Rudi Schiermeier und Martin Pratter von der Kirchenverwaltung der gesamten Pfarrgemeinde für die großartige Unterstützung bei der Sanierung des Kirchendachs. Die Arbeiten verliefen zügig; wenn das Wetter mitspiele, könne man bis Allerheiligen fertig sein.
Inzwischen hatten sich auf dem Festplatz unterhalb des Kurgästehauses rund 40 Pferde mit ihren Reiterinnen und Reitern versammelt – vom stolzen bayerischen Warmblut bis zum kleinen Shetlandpony, geritten von Kindern. Allein 17 Pferde stammten vom Pferdehof Böhmisch in Satzbach. Angeführt wurde der Zug von Eva Böhmisch auf ihrem temperamentvollen „Gustl“, gefolgt von Pfarrer Erndl auf „Schorschi“ und flankiert von zwei reitenden Ministrantinnen. Der Pfarrer, selbst Pferdebesitzer, hatte eigens Reitstunden genommen, um den Umritt souverän zu meistern. Ganz gefahrlos ist ein solcher Ritt freilich nicht, wenn sich viele Zuschauer am Wegesrand versammeln. Für manche Tiere bedeutet die ungewohnte Menschenmenge Stress, doch erfahrene Pferdeführer sorgten auch diesmal für einen reibungslosen Ablauf. Die neue Erntekrone wurde auf einem frisch restaurierten Erntewagen präsentiert, gezogen von zwei prächtig geschmückten Pferden. Über die Kurpromenade, den Lindenweg und die König-Max-Promenade führte der Zug schließlich zurück zum Festplatz, wo Pfarrer Erndl die Pferde, Reiterinnen und Reiter segnete. Dass der Leonhardiumritt in Kellberg weit mehr ist als bloß ein folkloristisches Ereignis, zeigte sich beim gemeinsamen Gebet der „Kellberger Litanei zum Heiligen Leonhard“. Danach segnete der Pfarrer Menschen und Tiere und besprengte sie mit Weihwasser.
Im Anschluss luden Pfarrgemeinderat und Frauenbund zum Pfarrfest in das Kurgästehaus ein. Wie in den vergangenen Jahren gab es verschiedene Suppen, Leberkässemmeln und Gegrilltes. Der erfahrene Organisator Artur Wandl hatte die Vorbereitungen minutiös geplant. Ursprünglich sollte das Fest im Freien auf dem Vorplatz stattfinden, wurde jedoch wegen der unsicheren Wetterlage nach innen verlegt. Das inzwischen fast 40 Jahre alte Gebäude erwies sich dabei erneut als idealer Ort für solche Feiern. „Es aufzugeben, wäre ein herber Verlust“, meinten mehrere Besucher. Rund 300 Gäste drängten sich schließlich an den Essens- und Getränkeständen – so groß war der Andrang, dass zeitweise sogar die Suppenteller knapp wurden. Als das Brot zur Neige ging, griff man kurzerhand auf die in der Kirche als Dekoration aufgebauten Brote zurück. Und wie es schon in der Bibel heißt: Alle wurden satt. Auch die Kinder kamen auf ihre Kosten: Für sie war eine eigene Schminkecke eingerichtet. Die Blaskapelle „Bleh-Haffa“ sorgte bis in den Nachmittag hinein für beste Stimmung, ehe die Besucher nach einem gelungenen Festtag zufrieden den Heimweg antraten.
Von Dionys Asenkerschbaumer
Kirchenzug zum Erntedankfest in Kellberg mit der neuen Erntekrone, getragen von den Mitgliedern des Heimat- und Trachtenvereins (v.l.) Manfred Haimerl, Thomas, Markus und Christian Anetseder (verdeckt). Dahinter die Blaskapelle „BlehHaffa“
Beim Pferdeumritt durch Kellberg. Pfarrer Andreas auf dem Pferd „Schosi“, geführt von Michi Böhmisch und flankiert von zwei reitenden Ministrantinnen.
Pfarrer Andreas Erndl segnete auf dem Festplatz Menschen und Tiere und besprengte sie mit Weihwasser.


