„Du wirst nie ein guter Musiker sein, wenn du nicht bereit bist, dich der Musik unterzuordnen.“ Mit diesen Worten beschreibt der österreichische Gitarrist Martin Moro seine musikalische Philosophie – und zugleich das, was die Besucher in der gut gefüllten Pfarrkirche Kellberg an diesem Abend erleben durften. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 950-jährigen Bestehen der Pfarrei gestaltete Moro auf Einladung des Organisators Dionys Asenkerschbaumer einen Konzertabend, der das Publikum bis zur letzten Minute fesselte – mit virtuosem Gitarrenspiel, feinem Humor und einer bemerkenswerten Nähe zu seinen Zuhörern.
Mit persönlichen Erzählungen und kleinen Anekdoten führte Martin Moro sein Publikum immer wieder zum nächsten gespielten Stück heran. Besonders deutlich wurde dies bei „Winter“. Mit einem Schmunzeln erzählte Moro, dass er selbst die kalte Jahreszeit eigentlich gar nicht besonders möge. Seine Frau hingegen liebe den Winter und freue sich jedes Jahr auf den Schnee. Ihn berühre vor allem ihr Lächeln, wenn sie durch den ersten Schnee stapft. Aus genau diesem Gefühl heraus sei das Lied entstanden. Als die ersten Töne erklangen, schien die Musik die zuvor erzählte Geschichte weiterzuführen und auszudrücken, was Worte nicht vermitteln können.
Moro verstand allerdings auch, sein Publikum nicht nur zu berühren, sondern auch zum Lachen zu bringen. Mit viel Charme und Selbstironie lockerte er das Konzert immer wieder auf. Als er zum Beispiel auf die kalte Jahreszeit zu sprechen kam, zog er seine Mütze vom Kopf und scherzte über seine Glatze: „Im Sommer heiße Platte, im Winter kalte Platte.“
Trotz aller Leichtigkeit wurde immer wieder deutlich, wie ernst Moro seine Musikversteht. Moderne Spieltechniken wie Tapping beherrsche er zwar, erklärte er, doch dürften sie niemals zum Selbstzweck werden. „Es geht nicht darum zu zeigen, was man alles kann“, sagte er. Technik sei lediglich ein Werkzeug. Entscheidend sei die Wirkung der Musik.
Dabei spiele auch die Improvisation eine wichtige Rolle. Kein Konzert gleiche dem anderen, kein Stück werde jemals exakt gleich gespielt. Musik müsse lebendig bleiben. Töne müssten Raum bekommen, Stille müsse zugelassen werden. Wer an diesem Abend aufmerksam lauschte, konnte genau das erleben. Immer wieder ließ Moro einzelne Klänge nachhallen. Dass das Konzert in einer Kirche stattfand, passte auch zu seiner persönlichen Überzeugung. Moro verwies nicht auf die Natur selbst, sondern auf deren Schöpfer. „Ich glaube nicht an die Sterne, sondern an den, der die Sterne gemacht hat“, sagte er. Sein Glaube sei ein wichtiger Bestandteil seines Lebens und spiegele sich auch in seinem musikalischen Schaffen.
Der emotionale Höhepunkt des Abends folgte mit der letzten Zugabe. Zu Ehren des Organisators Dionys Asenkerschbaumer und dessen verstorbenen Mutter spielte Martin Moro „Großer Gott, wir loben dich“. Was dann geschah, ließ sich weder planen noch einstudieren. Ohne jede Aufforderung begann das Publikum, die bekannte Melodie zu summen. Nach und nach erfüllte die Melodie den gesamten Kirchenraum. Für wenige Minuten entstand eine Atmosphäre, die Gänsehaut bereitete. Die Musik kam nicht mehr allein von der Bühne. Sie entstand aus der Mitte der Gemeinschaft. Viele Besucher zeigten sich sichtbar bewegt. Es war einer jener seltenen Momente, in denen Musik Menschen miteinander verbindet und Worte überflüssig werden lässt.
Als der letzte Ton verklungen war, setzte langanhaltender Applaus ein. Es war genau dieser Augenblick, von dem Martin Moro sprach, als er sagte, ein Musiker müsse bereit sein, sich der Musik unterzuordnen. Denn an diesem Abend stand nicht der Künstler im Mittelpunkt, sondern das gemeinsame Erleben der Musik. Und genau deshalb wird dieses Konzert vielen Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben.
Foto: Dionys Asenkerschbaumer



