Himmlisches Gitarrenkonzert

Pfarrverband Straßkirchen am 23.06.2026

Von Máxima Binder

Du wirst nie ein guter Musi­ker sein, wenn du nicht bereit bist, dich der Musik unter­zu­ord­nen.“ Mit die­sen Wor­ten beschreibt der öster­rei­chi­sche Gitar­rist Mar­tin Moro sei­ne musi­ka­li­sche Phi­lo­so­phie – und zugleich das, was die Besu­cher in der gut gefüll­ten Pfarr­kir­che Kell­berg an die­sem Abend erle­ben durf­ten. Im Rah­men der Fei­er­lich­kei­ten zum 950-jäh­ri­gen Bestehen der Pfar­rei gestal­te­te Moro auf Ein­la­dung des Orga­ni­sa­tors Dio­nys Asen­kersch­bau­mer einen Kon­zert­abend, der das Publi­kum bis zur letz­ten Minu­te fes­sel­te – mit vir­tuo­sem Gitar­ren­spiel, fei­nem Humor und einer bemer­kens­wer­ten Nähe zu sei­nen Zuhörern.

Mit per­sön­li­chen Erzäh­lun­gen und klei­nen Anek­do­ten führ­te Mar­tin Moro sein Publi­kum immer wie­der zum nächs­ten gespiel­ten Stück her­an. Beson­ders deut­lich wur­de dies bei Win­ter“. Mit einem Schmun­zeln erzähl­te Moro, dass er selbst die kal­te Jah­res­zeit eigent­lich gar nicht beson­ders möge. Sei­ne Frau hin­ge­gen lie­be den Win­ter und freue sich jedes Jahr auf den Schnee. Ihn berüh­re vor allem ihr Lächeln, wenn sie durch den ers­ten Schnee stapft. Aus genau die­sem Gefühl her­aus sei das Lied ent­stan­den. Als die ers­ten Töne erklan­gen, schien die Musik die zuvor erzähl­te Geschich­te wei­ter­zu­füh­ren und aus­zu­drü­cken, was Wor­te nicht ver­mit­teln können.

Moro ver­stand aller­dings auch, sein Publi­kum nicht nur zu berüh­ren, son­dern auch zum Lachen zu brin­gen. Mit viel Charme und Selbst­iro­nie locker­te er das Kon­zert immer wie­der auf. Als er zum Bei­spiel auf die kal­te Jah­res­zeit zu spre­chen kam, zog er sei­ne Müt­ze vom Kopf und scherz­te über sei­ne Glat­ze: Im Som­mer hei­ße Plat­te, im Win­ter kal­te Platte.“

Trotz aller Leich­tig­keit wur­de immer wie­der deut­lich, wie ernst Moro sei­ne Musik­ver­steht. Moder­ne Spiel­tech­ni­ken wie Tap­ping beherr­sche er zwar, erklär­te er, doch dürf­ten sie nie­mals zum Selbst­zweck wer­den. Es geht nicht dar­um zu zei­gen, was man alles kann“, sag­te er. Tech­nik sei ledig­lich ein Werk­zeug. Ent­schei­dend sei die Wir­kung der Musik.

Dabei spie­le auch die Impro­vi­sa­ti­on eine wich­ti­ge Rol­le. Kein Kon­zert glei­che dem ande­ren, kein Stück wer­de jemals exakt gleich gespielt. Musik müs­se leben­dig blei­ben. Töne müss­ten Raum bekom­men, Stil­le müs­se zuge­las­sen wer­den. Wer an die­sem Abend auf­merk­sam lausch­te, konn­te genau das erle­ben. Immer wie­der ließ Moro ein­zel­ne Klän­ge nach­hal­len. Dass das Kon­zert in einer Kir­che statt­fand, pass­te auch zu sei­ner per­sön­li­chen Über­zeu­gung. Moro ver­wies nicht auf die Natur selbst, son­dern auf deren Schöp­fer. Ich glau­be nicht an die Ster­ne, son­dern an den, der die Ster­ne gemacht hat“, sag­te er. Sein Glau­be sei ein wich­ti­ger Bestand­teil sei­nes Lebens und spie­ge­le sich auch in sei­nem musi­ka­li­schen Schaffen.

Der emo­tio­na­le Höhe­punkt des Abends folg­te mit der letz­ten Zuga­be. Zu Ehren des Orga­ni­sa­tors Dio­nys Asen­kersch­bau­mer und des­sen ver­stor­be­nen Mut­ter spiel­te Mar­tin Moro Gro­ßer Gott, wir loben dich“. Was dann geschah, ließ sich weder pla­nen noch ein­stu­die­ren. Ohne jede Auf­for­de­rung begann das Publi­kum, die bekann­te Melo­die zu sum­men. Nach und nach erfüll­te die Melo­die den gesam­ten Kir­chen­raum. Für weni­ge Minu­ten ent­stand eine Atmo­sphä­re, die Gän­se­haut berei­te­te. Die Musik kam nicht mehr allein von der Büh­ne. Sie ent­stand aus der Mit­te der Gemein­schaft. Vie­le Besu­cher zeig­ten sich sicht­bar bewegt. Es war einer jener sel­te­nen Momen­te, in denen Musik Men­schen mit­ein­an­der ver­bin­det und Wor­te über­flüs­sig wer­den lässt.

Als der letz­te Ton ver­klun­gen war, setz­te lang­an­hal­ten­der Applaus ein. Es war genau die­ser Augen­blick, von dem Mar­tin Moro sprach, als er sag­te, ein Musi­ker müs­se bereit sein, sich der Musik unter­zu­ord­nen. Denn an die­sem Abend stand nicht der Künst­ler im Mit­tel­punkt, son­dern das gemein­sa­me Erle­ben der Musik. Und genau des­halb wird die­ses Kon­zert vie­len Besu­chern noch lan­ge in Erin­ne­rung bleiben.

Foto: Dio­nys Asenkerschbaumer

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