Verabschiedung von Ahmad

Andreas Erndl am 17.08.2025

Jetzt endet das dreimonatige Kirchenasyl

Abschieds­wor­te von Ahmad:

Sehr geehr­te Damen und Her­ren,
Mein Name ist Ahmed. Ich bin ein Flücht­ling aus einem Land das von Krieg und Zer­stö­rung betrof­fen ist. Ich bin nach Thyr­n­au gekom­men vol­ler Hoff­nung auf ein neu­es Leben und Frie­den. Der Weg hier­her war nicht ein­fach aber ich habe Men­schen gefun­den die mir in schwa­chen Momen­ten Sicher­heit und Unter­stüt­zung gege­ben haben. Die­se Kir­che war für mich nicht nur ein Ort des Gebets und der Andacht son­dern auch ein mensch­li­cher Zufluchts­ort und eine Quel­le der Hoff­nung wo ich Wär­me Lie­be und Zusam­men­halt erfah­ren durf­te. Mein beson­de­rer Dank gilt Frau Ros­wi­ta eine groß­ar­ti­ge und star­ke Frau die mir in den schwers­ten Zei­ten sehr zur Sei­te stand. Nach­dem ich mir bei der Arbeit in der Kir­che die Hand ver­letzt hat­te besuch­te sie mich regel­mä­ßig und half mir beim Essen und Kochen. Ihre Unter­stüt­zung war eine gro­ße Kraft und Hoff­nung für mich. Ich dan­ke auch Pfar­rer Andre­as der mir immer mit guten Wor­ten und Trost zur Sei­te stand. Eben­so dan­ke ich allen die mich unter­stützt und beglei­tet haben. Jede Hil­fe hat einen gro­ßen Ein­fluss auf mein Leben gehabt. Ich bin dank­bar für jedes Lächeln und jede hel­fen­de Hand die mir ent­ge­gen­ge­bracht wur­de. Von Ihnen allen habe ich wah­re Mensch­lich­keit und Soli­da­ri­tät gelernt. Ich wer­de wei­ter­hin mein Bes­tes geben und dar­an arbei­ten ein wert­vol­ler Teil die­ser wun­der­ba­ren Gemein­schaft zu sein. Ich möch­te auch die Fami­lie Roland dan­ken die immer an mei­ner Sei­te stand und mir sowie mei­nen Geschwis­tern bei­stand. Vie­len Dank an Sie alle und ich bete dass Frie­den und Wohl­stand in unse­ren Her­zen wachsen

Wor­te von Ros­wi­tha Sterl:

Wie vie­le wis­sen, hat mich Herr Pfar­rer bei der Vor­stel­lung des neu­en Kir­chen­asy­lan­ten erneut gebe­ten, ihn bei der Betreu­ung zu unter­stüt­zen. Mei­ne Auf­ga­ben waren: Ein­kau­fen und Deutsch­un­ter­richt (Spre­chen, Leben und Schrei­ben). Schon damals, am 15. Mai konn­te Ahmad in ver­ständ­li­chem Deutsch kurz von sich berich­ten. Ger­ne über­nahm ich die­ses Ehren­amt. Bei jedem Besuch wur­de ich aus­neh­mend freund­lich emp­fan­gen. Kaf­fee und Mine­ral­was­ser wur­de sofort kre­denzt, sowie ein wei­ches Sitz­kis­sen für mei­nen Gar­ten­stuhl bereit­ge­stellt. Dann hieß es ler­nen: Lesen und Schrei­ben. Wie schnell Ahmad gelernt hat war bewun­derns­wert. Auch sei­ne Schrift war ein­fach per­fekt. Nach ca. 3 Wochen mein­te Ahmad, dass er jetzt aus sei­nem zwei sehr fun­dier­ten Deutsch-ara­bi­schen Lehr­bü­chern sel­ber lernt. Er möch­te mir lie­ber von sich berich­ten und von sei­nem Leben in Syri­en, von sei­ner Kind­heit und Jugend dort und von sei­ner spä­te­ren Aus­bil­dung im Liba­non zum Elek­tri­ker, von sei­nen Arbei­ten in Kur­di­stan, sowie von sei­ner zeit­wei­se grau­sa­men Flucht mit gro­ßen kör­per­li­chen, sowie see­li­schen Ver­let­zun­gen. Bei stel­len­wei­se Nicht­ver­ste­hen half uns die Dol­met­scher-App vom Han­dy, sowie Ges­ten und Zeich­nun­gen. Ich wur­de eini­ge Male zu einem lecke­ren ori­en­ta­li­schen Essen von Ahmad ein­ge­la­den. Jeden hilf­rei­chen Hand­griff in der Küche müss­te ich mir erkämp­fen. Eine ganz neue Situa­ti­on für mich.

Vor eini­gen Tagen berich­te­te mir Ahmad, dass er jetzt mit sei­nem Haus-Mit­be­woh­ner Max und dem Nach­bar Rein­hold Bay­risch lern­te, wie I geh owi, umi, außi, affi, eini“, sowie Pfi­ad di“ und Ser­vus“. Ahmad hat mit sei­ner freund­li­chen, lie­bens­wer­ten und äußerst hilfs­be­rei­ten Art inner­halb von kur­zer Zeit sehr viel Zunei­gung der Men­schen im Umkreis der Kir­che erhal­ten. Es gäbe noch so viel vom Asyl­schütz­ling zu berich­ten – Trau­ri­ges, Schö­nes und auch Erhei­tern­des. Jetzt zum Schluss kom­mend, möch­te ich mich bei Herrn Hans Eisen­s­eher im Namen von Ahmad bedan­ken für die Klei­der, Lebens­mit­ten und den neu­en Fuß­ball, sowie sei­nem Besu­chen im Kir­chen­asyl. Mein Dank gilt auch mei­nem Mann Robert für sei­ne Hil­fe und den Trans­port von Ein­kauf und klei­nen finan­zi­el­len Unterstützungen.

Mit die­sem Wor­ten ver­ab­schie­den wir uns von dir lie­ber Ahmad. Wir wün­schen dir:

  • Freun­de, die dich zum Lachen brin­gen und mit denen du glück­li­che Momen­te tei­len kannst
  • Zeit, um die schö­nen Din­ge im Leben zu genießen
  • Eine Insel der Ruhe im stres­si­gen Alltag
  • Und immer – immer hel­fen­de Hän­de in schwie­ri­gen Zeiten

Alles Lie­be und Gute für dei­nen wei­te­ren Lebens­weg. Dei­ne Thyr­nau­er Pfarrgemeinde

Pre­digt von Pfar­rer Andre­as Erndl:

Wo geho­belt wird, da fal­len auch Spä­ne.“ Ken­nen Sie die­sen Spruch. Er ist mitt­ler­wei­le zu einem mei­ner Lieb­lings­sprü­che gewor­den und zu mei­ner Lebens­ein­stel­lung. Ich bin ein­fach jemand, der ger­ne anpackt. Und das auch ganz spon­tan und nicht immer alles bedenkt – da könn­te das oder jenes pas­sie­ren. Da hab ich sonst das Gefühl: sonst pas­siert gar nicht. Alles lie­ber machen als abwar­ten. Und dann pas­siert es aber auch häu­fig, dass ich nicht alles rich­tig mache. Feh­ler sind da ein­pro­gram­miert. Man kann nicht alles vor­aus­den­ken. Und ich kann es auch nicht allen Recht machen. Ich kann nicht Din­ge nicht tun, nur weil ich Angst habe, dass sich jemand dar­über auf­re­gen würde. 

Das Sprich­wort bedeu­tet: Wo etwas bewegt wird, wo gear­bei­tet wird, da geht nicht immer alles glatt. Da ent­ste­hen Rei­bun­gen, da gibt es Wider­stand, manch­mal auch Fehler. 

Ein Bei­spiel: Als wir das ers­te Kir­chen­asyl annah­men hier in Thyr­n­au hat­te ich auch Beden­ken. Was sagen die Leu­te, wenn wir hier gegen den Staat han­deln. Leu­te ver­ste­cken vor der Abschie­bung. Das ers­te Kir­chen­asyl mit Scha­rifa ist vor­zei­tig been­det wor­den, nicht wegen uns, son­dern weil auf­grund einer Vor­schrift das Asyl auf 1,5 Jah­ren ver­län­gert wur­de. Das war auch mir zuviel. Aber kurz danach kam wie­der eine Anfra­ge: ein Syrer sucht Asyl. Ahmad. Ich und natür­lich die Ver­ant­wort­li­chen vor Ort – PGR und KV haben uns getraut noch­mal jeman­den auf­zu­neh­men. Man weiß nicht, wie es wird. Wie das Kir­chen­asyl am Ende beur­teilt wird. Das ist wie eine Wun­der­tü­te. Und wir hat­ten die­ses Mal wirk­lich Glück. Ahmad war per­fekt. Er hat sich unglaub­lich inte­griert. Hat die Spra­che sehr schnell gelernt und war unglaub­lich hilfs­be­reit. Als ich hier­her kam, sah ich vie­le Bau­stel­len: Dach­bo­den, Schup­pen, Ter­as­se … Als dann Bau­er Her­mann dazu kam und Krenn Rudi und Schätzl Max zusam­men mit Ahmad – da ging was vor­an. Die vier konn­ten unglaub­lich viel her­rich­ten und es kamen noch wei­te­re Hel­fer dazu. Stemp Ste­fan, Sig­lin­de Schau­ber­ger, Rena­te Stemp, Franz Gru­bau­er, Kon­rad Poschin­ger und Wolf­gang Kina­te­der. Ich bin unglaub­lich dank­bar für die vie­le Hil­fe, die wir bekom­men haben. Wir konn­ten ganz viel schaf­fen. Und natür­lich war hier auch nicht alles per­fekt. Wo geho­belt wird, da fal­len Spä­ne. Aber es ist vie­les passiert. 

Und natür­lich gibt es da auch Stim­men. Es gibt Leu­te, die viel­leicht das kri­ti­sie­ren, was man macht. Das ist eigent­lich auch ganz nor­mal. Jeder darf sei­ne Mei­nung haben. Ich habe die Erfah­rung gemacht, dass, wenn man sich nach sei­nen Glau­bens­wert­vor­stel­len ein­setzt, dass dann Span­nun­gen ent­ste­hen kön­nen. Jesus selbst spricht davon im heu­ti­gen Evan­ge­li­um: Meint ihr, ich sei gekom­men, Frie­den auf die Erde zu brin­gen? Nein, son­dern Spal­tung.“ Das klingt hart. Aber im Grun­de sagt Jesus nichts ande­res als das Sprich­wort: Wo sich etwas ver­än­dert, wo Men­schen sich für das Gute ein­set­zen, da gibt es nicht nur Zustim­mung. Da rei­ben sich unter­schied­li­che Hal­tun­gen anein­an­der. Da flie­gen Späne.

Ich fin­de, dass es nor­mal ist, dass wir mit Wider­stän­den zu kämp­fen haben. Das darf uns nicht in unse­rem Bemü­hun­gen um das Gute läh­men. Es gibt da vie­le Bei­spie­le: Der Christ, der sich für Gerech­tig­keit ein­setzt, wird Wider­stand erle­ben. Die Frau, die barm­her­zig han­delt, wird belä­chelt oder für naiv erklärt. Der Mann, der für sei­nen Glau­ben offen ein­tritt, wird viel­leicht sogar kritisiert.

Ja, wo geho­belt wird, da fal­len Spä­ne. Aber ohne Hobeln gibt es auch kein fer­ti­ges Werk­stück. Ohne Spä­ne ent­steht nichts Neu­es. Lie­be Schwes­tern und Brü­der, die­ses Evan­ge­li­um will uns ermu­ti­gen: Habt kei­ne Angst vor Kon­flik­ten, wenn ihr das Gute tut. Lasst euch nicht ent­mu­ti­gen, wenn Spä­ne fal­len. Denn das zeigt, dass ihr mit­ar­bei­tet am Reich Got­tes. Amen.

Weitere Nachrichten

16.03.2026

Hinweis zu Messintentionen

Messintentionen können künftig nur noch in einem beschrifteten Kuvert im Pfarrbüro oder in der Sakristei…

02.03.2026

Ergebnisse der Pfarrgemeinderatswahl im Pfarrverband Straßkirchen

Wahlbeteiligung lag zwischen 7% und 11%

22.02.2026

Kollektenplan 2026

Die Kirchenkollekte bei den Sonntagsgottesdiensten hat unterschiedliche Zweckbestimmungen

21.02.2026

Pfarrgemeinderatswahl am 1. März 2026

Hier finden Sie unsere Kandidatinnen und Kandidaten.