Abschiedsworte von Ahmad:
Sehr geehrte Damen und Herren,
Mein Name ist Ahmed. Ich bin ein Flüchtling aus einem Land das von Krieg und Zerstörung betroffen ist. Ich bin nach Thyrnau gekommen voller Hoffnung auf ein neues Leben und Frieden. Der Weg hierher war nicht einfach aber ich habe Menschen gefunden die mir in schwachen Momenten Sicherheit und Unterstützung gegeben haben. Diese Kirche war für mich nicht nur ein Ort des Gebets und der Andacht sondern auch ein menschlicher Zufluchtsort und eine Quelle der Hoffnung wo ich Wärme Liebe und Zusammenhalt erfahren durfte. Mein besonderer Dank gilt Frau Roswita eine großartige und starke Frau die mir in den schwersten Zeiten sehr zur Seite stand. Nachdem ich mir bei der Arbeit in der Kirche die Hand verletzt hatte besuchte sie mich regelmäßig und half mir beim Essen und Kochen. Ihre Unterstützung war eine große Kraft und Hoffnung für mich. Ich danke auch Pfarrer Andreas der mir immer mit guten Worten und Trost zur Seite stand. Ebenso danke ich allen die mich unterstützt und begleitet haben. Jede Hilfe hat einen großen Einfluss auf mein Leben gehabt. Ich bin dankbar für jedes Lächeln und jede helfende Hand die mir entgegengebracht wurde. Von Ihnen allen habe ich wahre Menschlichkeit und Solidarität gelernt. Ich werde weiterhin mein Bestes geben und daran arbeiten ein wertvoller Teil dieser wunderbaren Gemeinschaft zu sein. Ich möchte auch die Familie Roland danken die immer an meiner Seite stand und mir sowie meinen Geschwistern beistand. Vielen Dank an Sie alle und ich bete dass Frieden und Wohlstand in unseren Herzen wachsen
Worte von Roswitha Sterl:
Wie viele wissen, hat mich Herr Pfarrer bei der Vorstellung des neuen Kirchenasylanten erneut gebeten, ihn bei der Betreuung zu unterstützen. Meine Aufgaben waren: Einkaufen und Deutschunterricht (Sprechen, Leben und Schreiben). Schon damals, am 15. Mai konnte Ahmad in verständlichem Deutsch kurz von sich berichten. Gerne übernahm ich dieses Ehrenamt. Bei jedem Besuch wurde ich ausnehmend freundlich empfangen. Kaffee und Mineralwasser wurde sofort kredenzt, sowie ein weiches Sitzkissen für meinen Gartenstuhl bereitgestellt. Dann hieß es lernen: Lesen und Schreiben. Wie schnell Ahmad gelernt hat war bewundernswert. Auch seine Schrift war einfach perfekt. Nach ca. 3 Wochen meinte Ahmad, dass er jetzt aus seinem zwei sehr fundierten Deutsch-arabischen Lehrbüchern selber lernt. Er möchte mir lieber von sich berichten und von seinem Leben in Syrien, von seiner Kindheit und Jugend dort und von seiner späteren Ausbildung im Libanon zum Elektriker, von seinen Arbeiten in Kurdistan, sowie von seiner zeitweise grausamen Flucht mit großen körperlichen, sowie seelischen Verletzungen. Bei stellenweise Nichtverstehen half uns die Dolmetscher-App vom Handy, sowie Gesten und Zeichnungen. Ich wurde einige Male zu einem leckeren orientalischen Essen von Ahmad eingeladen. Jeden hilfreichen Handgriff in der Küche müsste ich mir erkämpfen. Eine ganz neue Situation für mich.
Vor einigen Tagen berichtete mir Ahmad, dass er jetzt mit seinem Haus-Mitbewohner Max und dem Nachbar Reinhold Bayrisch lernte, wie „I geh owi, umi, außi, affi, eini“, sowie „Pfiad di“ und „Servus“. Ahmad hat mit seiner freundlichen, liebenswerten und äußerst hilfsbereiten Art innerhalb von kurzer Zeit sehr viel Zuneigung der Menschen im Umkreis der Kirche erhalten. Es gäbe noch so viel vom Asylschützling zu berichten – Trauriges, Schönes und auch Erheiterndes. Jetzt zum Schluss kommend, möchte ich mich bei Herrn Hans Eisenseher im Namen von Ahmad bedanken für die Kleider, Lebensmitten und den neuen Fußball, sowie seinem Besuchen im Kirchenasyl. Mein Dank gilt auch meinem Mann Robert für seine Hilfe und den Transport von Einkauf und kleinen finanziellen Unterstützungen.
Mit diesem Worten verabschieden wir uns von dir lieber Ahmad. Wir wünschen dir:
- Freunde, die dich zum Lachen bringen und mit denen du glückliche Momente teilen kannst
- Zeit, um die schönen Dinge im Leben zu genießen
- Eine Insel der Ruhe im stressigen Alltag
- Und immer – immer helfende Hände in schwierigen Zeiten
Alles Liebe und Gute für deinen weiteren Lebensweg. Deine Thyrnauer Pfarrgemeinde
Predigt von Pfarrer Andreas Erndl:
„Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne.“ Kennen Sie diesen Spruch. Er ist mittlerweile zu einem meiner Lieblingssprüche geworden und zu meiner Lebenseinstellung. Ich bin einfach jemand, der gerne anpackt. Und das auch ganz spontan und nicht immer alles bedenkt – da könnte das oder jenes passieren. Da hab ich sonst das Gefühl: sonst passiert gar nicht. Alles lieber machen als abwarten. Und dann passiert es aber auch häufig, dass ich nicht alles richtig mache. Fehler sind da einprogrammiert. Man kann nicht alles vorausdenken. Und ich kann es auch nicht allen Recht machen. Ich kann nicht Dinge nicht tun, nur weil ich Angst habe, dass sich jemand darüber aufregen würde.
Das Sprichwort bedeutet: Wo etwas bewegt wird, wo gearbeitet wird, da geht nicht immer alles glatt. Da entstehen Reibungen, da gibt es Widerstand, manchmal auch Fehler.
Ein Beispiel: Als wir das erste Kirchenasyl annahmen hier in Thyrnau hatte ich auch Bedenken. Was sagen die Leute, wenn wir hier gegen den Staat handeln. Leute verstecken vor der Abschiebung. Das erste Kirchenasyl mit Scharifa ist vorzeitig beendet worden, nicht wegen uns, sondern weil aufgrund einer Vorschrift das Asyl auf 1,5 Jahren verlängert wurde. Das war auch mir zuviel. Aber kurz danach kam wieder eine Anfrage: ein Syrer sucht Asyl. Ahmad. Ich und natürlich die Verantwortlichen vor Ort – PGR und KV haben uns getraut nochmal jemanden aufzunehmen. Man weiß nicht, wie es wird. Wie das Kirchenasyl am Ende beurteilt wird. Das ist wie eine Wundertüte. Und wir hatten dieses Mal wirklich Glück. Ahmad war perfekt. Er hat sich unglaublich integriert. Hat die Sprache sehr schnell gelernt und war unglaublich hilfsbereit. Als ich hierher kam, sah ich viele Baustellen: Dachboden, Schuppen, Terasse … Als dann Bauer Hermann dazu kam und Krenn Rudi und Schätzl Max zusammen mit Ahmad – da ging was voran. Die vier konnten unglaublich viel herrichten und es kamen noch weitere Helfer dazu. Stemp Stefan, Siglinde Schauberger, Renate Stemp, Franz Grubauer, Konrad Poschinger und Wolfgang Kinateder. Ich bin unglaublich dankbar für die viele Hilfe, die wir bekommen haben. Wir konnten ganz viel schaffen. Und natürlich war hier auch nicht alles perfekt. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Aber es ist vieles passiert.
Und natürlich gibt es da auch Stimmen. Es gibt Leute, die vielleicht das kritisieren, was man macht. Das ist eigentlich auch ganz normal. Jeder darf seine Meinung haben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn man sich nach seinen Glaubenswertvorstellen einsetzt, dass dann Spannungen entstehen können. Jesus selbst spricht davon im heutigen Evangelium: „Meint ihr, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sondern Spaltung.“ Das klingt hart. Aber im Grunde sagt Jesus nichts anderes als das Sprichwort: Wo sich etwas verändert, wo Menschen sich für das Gute einsetzen, da gibt es nicht nur Zustimmung. Da reiben sich unterschiedliche Haltungen aneinander. Da fliegen Späne.
Ich finde, dass es normal ist, dass wir mit Widerständen zu kämpfen haben. Das darf uns nicht in unserem Bemühungen um das Gute lähmen. Es gibt da viele Beispiele: Der Christ, der sich für Gerechtigkeit einsetzt, wird Widerstand erleben. Die Frau, die barmherzig handelt, wird belächelt oder für naiv erklärt. Der Mann, der für seinen Glauben offen eintritt, wird vielleicht sogar kritisiert.
Ja, wo gehobelt wird, da fallen Späne. Aber ohne Hobeln gibt es auch kein fertiges Werkstück. Ohne Späne entsteht nichts Neues. Liebe Schwestern und Brüder, dieses Evangelium will uns ermutigen: Habt keine Angst vor Konflikten, wenn ihr das Gute tut. Lasst euch nicht entmutigen, wenn Späne fallen. Denn das zeigt, dass ihr mitarbeitet am Reich Gottes. Amen.



