Abschiedsworte von Christiane Durstberger
Liebe Pfarrangehörige,
die Zeit meines Abschieds nach 11 Jahren im Pfarrverband Straßkirchen ist gekommen und mir fällt es nicht leicht, die richtigen Worte zu finden.
In den vergangenen Jahren durfte ich Zeuge von so vielen wunderbaren Momenten sein – voller Glauben, Hoffnung, Liebe, aber auch Trost und Stärke. Es war mir eine Ehre den damals neu gegründeten Pfarrverband Straßkirchen und Sie und Euch auf dieser Reise begleiten zu dürfen — mit allen Höhen und Tiefen.
Ich durfte erleben, was Gemeinschaft heißt – bei den verschiedensten Projekten und Veranstaltungen. Es sind diese Erinnerungen, die mir zeigen, wie wichtig es ist unseren Glauben authentisch und glaubwürdig weiter zu geben. Dabei durfte ich lebendige und vielfältige Pfarreien und Gruppierungen erleben, bei denen ich mich stets gut aufgehoben gefühlt habe. Danke, dass ich ein Teil dieser Glaubensgemeinschaft sein durfte und danke für die Unterstützung von allen Ehrenamtlichen in den verschiedensten Bereichen, ohne die das eine oder andere Projekt nicht möglich gewesen wäre.
Danke möchte ich auch meinem Team für den stets wertvollen Austausch und die Gemeinschaft im Glauben sagen.
Auch wenn mir das Abschiednehmen schwer fällt, nehme ich viele schöne Erinnerungen mit. Sie werden mich stets begleiten und mich daran erinnern, wie wertvoll Gemeinschaft und Zusammenhalt sind.
Abschiede sind kein Ende, sondern ein neuer Anfang – für mich als Religionslehrerin am Förderzentrum in Grubweg. Ich bin dankbar dafür, dass ich viele Personen aus dem Pfarrverband auf diesem Weg zu meinem neuen Lebensabschnitt kennen lernen durfte.
Ich wünsche Ihnen und Euch für die Zukunft nur das Beste, viel Glück, Gesundheit und Gottes Segen. Vergelt´s Gott für die letzten 11 Jahre im Pfarrverband Straßkirchen.
Mit herzlichen Grüßen
Christiane Durstberger, Gemeindereferentin und Religionslehrerin i. K.
Abschiedsworte an Christiane von Simon Riel
Liebe Christiane,
manchmal, wenn wir Abschied nehmen, fühlt es sich an, als würde ein vertrautes Möbelstück aus dem eigenen Zimmer verschwinden. Plötzlich fehlt da etwas. Man spürt es erst richtig, wenn es weg ist – und man merkt, wie oft man sich darauf gestützt hat. So in etwa fühlt es sich für mich heute an, wenn ich daran denke, dass du, liebe Christiane, uns im Pfarrverband verlässt.
Seit 2014 warst du als Gemeindereferentin hier in Straßkirchen tätig. Und wer dich kennt, weiß: Du warst nicht einfach „da“ – du hast dich mit deinem ganzen Wesen eingebracht. Deine Arbeit war nie nur ein Job, sondern eine Berufung. Du warst mit vollem Herzen dabei – mit einem pädagogischen Feingefühl, das beeindruckend war, mit einem Sinn für Ordnung, der uns manchmal den Kopf gerettet hat, und mit einem Gespür für Menschen, das man nicht lernen kann, sondern einfach hat.
Seit 2018 durfte ich mit dir zusammenarbeiten. Und ich weiß noch ganz genau, wie unser erster Kontakt war: ein Telefonat im August – ich war neu, du schon fest verankert. Und ich dachte nach diesem Gespräch: “Wow – die ist erfahren, souverän, eine Autorität.” Ich dachte tatsächlich, du seist deutlich älter als ich – was du, wie ich heute weiß, sicher mit einem freundlichen, aber bestimmten Lächeln kommentieren würdest.
Schon da war klar: Du bist jemand, der weiß, was er tut. Du strahlst Verlässlichkeit aus – und nicht nur das: Du bist verlässlich. Wenn du etwas in die Hand nimmst, dann ist es bis ins Detail durchdacht. Bei dir stand gefühlt jeder Punkt und jedes Komma schon Wochen im Voraus fest. Wo andere noch überlegen, ob man nicht spontan noch irgendetwas dazu machen könnte, hattest du schon alle Ordnungen, Vorlagen und Verantwortlichkeiten im Blick – und wusstest auch, wer genau bei welcher Stelle nachfragen muss, wenn etwas nicht so funktioniert wie geplant.
Du warst für uns nicht nur Kollegin – du warst für uns Kompass, Gewissen, manchmal auch „pädagogischer Schutzengel“. Du hast nicht laut auf den Tisch gehauen – aber deine Meinung hatte Gewicht. Und man hörte dir zu, weil man wusste: Wenn du etwas sagst, dann hat das Substanz.
Ganz besonders in der Corona-Zeit wurde das spürbar. Wenn andere noch fragten: „Geht das so?“, warst du schon dabei, ein Hygienekonzept zu entwerfen. Und wenn ich manchmal dachte: „Ach, das kriegen wir schon hin“, hast du freundlich, aber bestimmt die Bremse gezogen – und gesagt: „Lasst uns das bitte gründlich durchdenken.“ Du warst – ich sag’s mit einem Augenzwinkern – nicht nur „Team Vorsicht“, sondern „Team sehr Vorsicht“. Und ich bin dir dafür ehrlich dankbar. Du hast uns damit nicht nur vor mancher Panne bewahrt, sondern vor allem vor Gedankenlosigkeit und Unachtsamkeit.
Gleichzeitig warst du diejenige, die ganz nah an den Menschen war. Du hattest ein Ohr in den Gemeinden, in den Familien, in den Gruppen. Du wusstest, was sich bewegt – wer gerade etwas Schweres trägt, wo etwas gewachsen ist, und wo etwas droht zu kippen. Dieses Ohr für die Menschen hat dich ausgezeichnet. Es hat dich nicht nur zur guten Kollegin gemacht – es hat dich zu einer echten Gemeindereferentin gemacht: zu einer, die mittendrin ist. Und nicht zuletzt zu einer, die auch den Glauben nicht als System, sondern als Beziehung versteht.
Du warst – um es mit den Worten des Epheserbriefs zu sagen – ein wichtiger Teil dieses Leibes Christi. Nicht nur funktional, sondern lebendig. Der Brief nennt viele Rollen: Apostel, Prophet, Evangelist, Hirtin, Lehrerin. Ich finde, auf dich trifft da vieles zu. Vor allem aber diese Rolle, die so unauffällig wichtig ist: Du hast die Heiligen – also uns alle – zugerüstet zum Werk des Dienstes, wie es heißt. Du hast Voraussetzungen geschaffen, damit Glaube wachsen konnte. Du hast Räume bereitet – strukturell, organisatorisch, aber auch geistlich. Du hast mitgedacht, mitgetragen, mitgeglaubt.
Und ja – wir haben uns sehr gut ergänzt. Ich vielleicht eher der Typ: „Ach, das wird schon!“ – du eher: „Moment, hast du die Vorlage gecheckt?“ Ich: der bunte Pinsel – du: der präzise Fineliner. Ich: impulsiv – du: durchdacht. Und doch – oder vielleicht genau deswegen – hat es so gut funktioniert. Wir waren ein echtes Team.
Nun wirst du also ab 1. September Religionslehrerin. Ein neuer Abschnitt. Und auch wenn du uns hier im Pfarrverband fehlen wirst – ich sehe das nicht als Bruch. Im Gegenteil: Ich sehe eine Weiterentwicklung. Du wirst dort genauso wirken wie hier – nur eben mit einer anderen Zielgruppe. Und die braucht Menschen wie dich: klug, einfühlsam, zugewandt, strukturiert. Ich bin mir sicher: Viele Kinder und Jugendliche werden von dir geprägt werden – nicht nur durch das, was du lehrst, sondern durch das, was du bist.
Und wir? Wir werden merken, was fehlt. Deine Stimme in Teamsitzungen. Dein aufgeräumter Schreibtisch. Deine Mails, in denen du freundlich daran erinnerst, dass die Anmeldefrist leider morgen abläuft. Dein Lachen, wenn wir über deine Genauigkeit wieder einmal einen kleinen Scherz gemacht haben – und du mit einem Seitenblick sagtest: „Ja, einer muss den Überblick behalten.“
Liebe Christiane,
du hast Spuren hinterlassen – bei den Menschen, im Team, und auch bei mir persönlich. Spuren, die bleiben. Dafür danke ich dir von Herzen.
Ich wünsche dir für deinen neuen Weg Kraft, Mut und Freude. Und ich wünsche dir auch das, was man als Lehrerin manchmal am dringendsten braucht: Gelassenheit, Humor und Geduld. Und natürlich: einen guten Pausenkaffee.
Aber vor allem wünsche ich dir, dass du in deiner neuen Aufgabe das erfährst, was du so vielen hier gegeben hast: Wertschätzung, Vertrauen, Sinn.
Und dass du weißt: Du bist ein Teil dieses großen Leibes Christi. Auch wenn sich dein Platz verändert – deine Berufung bleibt. Und ich bin überzeugt: Dein Weg führt dich nicht weg von dem, was Paulus im Epheserbrief beschreibt – er führt dich mitten hinein.
Denn was ist deine neue Aufgabe anderes als genau das, was dort steht:
„… damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes.“
Du wirst jetzt nicht mehr Erwachsene begleiten, sondern junge Menschen – Schülerinnen und Schüler, die ihren Platz im Leben, im Glauben, vielleicht auch in der Kirche noch suchen.
Du wirst ihnen Orientierung geben, indem du mit ihnen die Geschichten der Bibel liest – und sie darin entdeckst.
Du wirst sie zum Denken bringen – und zum Fragen.
Du wirst ihnen helfen, Unterscheidungen zu treffen – zwischen leeren Parolen und echter Hoffnung.
Du wirst sie lehren – ja. Aber mehr noch wirst du sie „zurüsten zum Werk des Dienstes“, wie Paulus sagt. Das bedeutet: ihnen etwas mitgeben fürs Leben.
Nicht nur Wissen – sondern Haltung.
Nicht nur Glaubenssätze – sondern die Erfahrung: Ich bin gemeint. Ich bin Teil von etwas Größerem. Ich bin Teil eines Leibes, der sich in der Liebe aufbaut, wie es am Ende der Bibelstelle heißt.
Du wirst also weiterbauen – am Leib Christi.
Nur nicht mehr von der Sakristei aus, sondern vom Klassenzimmer.
Nicht mehr in Kirchenbänken – sondern zwischen Schultafeln und Turnbeuteln.
Und auch das ist eine Form von Seelsorge. Eine sehr wichtige sogar.
Denn wenn Glaube heute irgendwo wachsen kann, dann da, wo Menschen wie du Zeit, Herz und Verstand investieren – für eine junge Generation, die vieles infrage stellt, aber gleichzeitig sehnsüchtig auf der Suche ist nach Echtheit, Tiefe und Orientierung.
Liebe Christiane,
du wirst nicht nur unterrichten – du wirst ermutigen.
Du wirst nicht nur lehren – du wirst möglich machen.
Du wirst nicht nur Inhalte vermitteln – du wirst Würde zusprechen.
Und damit wirst du den Leib Christi weiter aufbauen – im ganz ursprünglichen, heiligen Sinn dieses Wortes.
Ich wünsche dir für diesen neuen Abschnitt all das, was du brauchst:
Sanftmut und Klarheit, Geduld und Humor, Nähe und Kraft –
und immer wieder Momente, in denen du spürst: Ja, es ist gut, dass ich hier bin.
Nicht nur, weil du dort gebraucht wirst – sondern weil du mit deinem ganzen Wesen dorthin gehörst.
Und wir?
Wir sagen dir von Herzen Danke.
Für deine Klarheit, deine Verlässlichkeit, dein waches Herz.
Für die gemeinsame Zeit. Für alles, was war – und für alles, was bleibt.
Möge Christus, das Haupt des Leibes, dich weiterhin führen.
Möge er dir die Kraft geben, die du brauchst.
Möge er dich durch die Menschen segnen, denen du begegnest.
Und mögest du spüren: Du bist gesandt – und du bist gehalten.
In diesem Sinn:
Bleib gesegnet. Und: Vergiss uns nicht.


