Lesungen: Weish 7, 7 – 10.15 – 16 und Mt 23, 8 – 12
Heute ist der Gedenktag des hl. Thomas von Aquin. (https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Aquin#/media/Datei:St-thomas-aquinas.jpg)
Vielleicht hat jemand Namenstag heute. Dann wünsche ich ihm alles Gute. Möglicherweise haben Sie sich gewundert, dass wir zum Eingang ein Pfingstlied gesungen haben. Aber heute geht es um das Thema Weisheit. Es zieht sich durch die Tageslesungen. Es geht in gewissem Sinne also um den Geist, der ja uns Menschen ausmacht. Ein Beispiel für einen Mann voller Geist und Weisheit war eben dieser Thomas von Aquin (* 1225, † 1274), italienischer Dominikaner, einflussreicher Philosoph und bedeutender katholischer Kirchenlehrer der Scholastik. Auch die Lesung heute ist aus dem alttestamentlichen Buch der Weisheit.
Was ist Weisheit? Weisheit ist Lebens-Wissen; das Wissen, wie man gut und sinnvoll lebt. Darum stelle ich nun die Frage: Was ist es, was unserem Leben Sinn stiftet? Was sind das für „Dinge“, was sind das für Parameter, die unser Leben als geglückt erleben lassen? Man kann sie als „Hoffnungen“ beschreiben. Es sind im Prinzip drei an der Zahl:
- Da ist die Hoffnung des Menschen auf „Anerkennung“; der unauslöschliche Wunsch, dass ich einen Namen habe, dass ich unverwechselbar bin und geliebt werde.
- Da ist die Hoffnung auf „Selbstmächtigkeit“, dass ich etwas machen kann, dass ich mich in meiner Arbeit verwirklichen kann, dass ich frei handeln kann, nicht abhängig bin.
- Da ist die Hoffnung auf einen Ort, wo ich zuhause bin, wo ich mich hinsetzen kann, Be-sitz habe, Heimat erfahre, wo man mich so nimmt, wie ich bin.
Name – Macht – Heimat: Drei Grundhoffnungen.
Das Geheimnisvolle daran ist: Wir Menschen haben die Erfüllung dieser Hoffnungen nicht in unserer Hand, wir können ihre Erfüllung nicht „produzieren“, doch wir können sie zulassen. Im Evangelium wird heute die „Macht“ und der Jesus gemäße Umgang damit thematisiert: „Der Größte von euch soll euer Diener sein. Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Mt 23,11 – 12)
Es ist genau diese Paradoxie, in der es im christlichen Glauben geht: Nicht im Raffen, nicht im Narzissmus, nicht in der Macht über andere erfüllen sich die Hoffnungen, sondern im Teilen, in rechter Demut, im Loslassen.
Wie heißt es so treffend im Friedensgebet des hl. Franz von Assisi:
Herr, mach mich zum Werkzeug deines Friedens …
Lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.
Amen.



