Was ist Weisheit?

Andreas Erndl am 03.02.2026

Kurzpredigt am 28. Januar 2025, von Dionys Asenkerschbaumer

Lesun­gen: Weish 7, 7 – 10.15 – 16 und Mt 23, 8 – 12

Heu­te ist der Gedenk­tag des hl. Tho­mas von Aquin. (https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​T​h​o​m​a​s​_​v​o​n​_​A​q​u​i​n​#​/​m​e​d​i​a​/​D​a​t​e​i​:​S​t​-​t​h​o​m​a​s​-​a​q​u​i​n​a​s.jpg)

Viel­leicht hat jemand Namens­tag heu­te. Dann wün­sche ich ihm alles Gute. Mög­li­cher­wei­se haben Sie sich gewun­dert, dass wir zum Ein­gang ein Pfingst­lied gesun­gen haben. Aber heu­te geht es um das The­ma Weis­heit. Es zieht sich durch die Tages­le­sun­gen. Es geht in gewis­sem Sin­ne also um den Geist, der ja uns Men­schen aus­macht. Ein Bei­spiel für einen Mann vol­ler Geist und Weis­heit war eben die­ser Tho­mas von Aquin (* 1225, † 1274), ita­lie­ni­scher Domi­ni­ka­ner, ein­fluss­rei­cher Phi­lo­soph und bedeu­ten­der katho­li­scher Kir­chen­leh­rer der Scho­las­tik. Auch die Lesung heu­te ist aus dem alt­tes­ta­ment­li­chen Buch der Weisheit. 

Was ist Weis­heit? Weis­heit ist Lebens-Wis­sen; das Wis­sen, wie man gut und sinn­voll lebt. Dar­um stel­le ich nun die Fra­ge: Was ist es, was unse­rem Leben Sinn stif­tet? Was sind das für ​„Din­ge“, was sind das für Para­me­ter, die unser Leben als geglückt erle­ben las­sen? Man kann sie als ​„Hoff­nun­gen“ beschrei­ben. Es sind im Prin­zip drei an der Zahl:

- Da ist die Hoff­nung des Men­schen auf ​„Aner­ken­nung“; der unaus­lösch­li­che Wunsch, dass ich einen Namen habe, dass ich unver­wech­sel­bar bin und geliebt werde.

- Da ist die Hoff­nung auf ​„Selbst­mäch­tig­keit“, dass ich etwas machen kann, dass ich mich in mei­ner Arbeit ver­wirk­li­chen kann, dass ich frei han­deln kann, nicht abhän­gig bin.

- Da ist die Hoff­nung auf einen Ort, wo ich zuhau­se bin, wo ich mich hin­set­zen kann, Be-sitz habe, Hei­mat erfah­re, wo man mich so nimmt, wie ich bin.

Name – Macht – Hei­mat: Drei Grundhoffnungen.

Das Geheim­nis­vol­le dar­an ist: Wir Men­schen haben die Erfül­lung die­ser Hoff­nun­gen nicht in unse­rer Hand, wir kön­nen ihre Erfül­lung nicht ​„pro­du­zie­ren“, doch wir kön­nen sie zulas­sen. Im Evan­ge­li­um wird heu­te die ​„Macht“ und der Jesus gemä­ße Umgang damit the­ma­ti­siert: ​„Der Größ­te von euch soll euer Die­ner sein. Wer sich selbst erhöht, wird ernied­rigt, und wer sich selbst ernied­rigt, wird erhöht wer­den.“ (Mt 23,11 – 12)

Es ist genau die­se Para­do­xie, in der es im christ­li­chen Glau­ben geht: Nicht im Raf­fen, nicht im Nar­ziss­mus, nicht in der Macht über ande­re erfül­len sich die Hoff­nun­gen, son­dern im Tei­len, in rech­ter Demut, im Loslassen. 

Wie heißt es so tref­fend im Frie­dens­ge­bet des hl. Franz von Assisi:

Herr, mach mich zum Werk­zeug dei­nes Frie­dens …
Lass mich trach­ten,
nicht, dass ich getrös­tet wer­de, son­dern dass ich trös­te;
nicht, dass ich ver­stan­den wer­de, son­dern dass ich ver­ste­he;
nicht, dass ich geliebt wer­de, son­dern dass ich lie­be.
Denn wer sich hin­gibt, der emp­fängt;
wer sich selbst ver­gisst, der fin­det;
wer ver­zeiht, dem wird ver­zie­hen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewi­gen Leben. 
Amen.

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