19. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C, 10. August 2025, Wort-Gottes-Feier in Thyrnau
Lesung (Hebr 11,1 – 2.8 – 19)
1 Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht.
2 Aufgrund dieses Glaubens haben die Alten ein gutes Zeugnis erhalten
8 Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde.
9 …
Evangelium Lk 12,32 – 48
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
32 Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.
33 Verkauft euren Besitz und gebt Almosen! Macht euch Geldbeutel, die nicht alt werden! Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst!
34 Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
35 …
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
„Nix gwiss woaß man net!“ Diesen Spruch kennt jeder, er stammt ursprünglich von Joseph Huber, einem Münchner Original, der von 1763 bis 1829 lebte und im Volksmund „Finessensepperl“ hieß. Der „Finessensepperl“ war mit einer Größe von 1,50 m etwas kurz geraten. Stadtbekannt wurde er als Liebesbrief-Austräger und Vertrauensmann für heimliche Angelegenheiten. Der „Finessensepperl“ stellte nicht nur Briefe zu, sondern vermittelte Rendezvous und war über alle Geheimnisse der Stadt informiert, ohne je eines preiszugeben. Wenn die Leute ihm ein solches entlocken wollten, dann gab er stets zur Antwort „Nix gwiss woaß man net!“. Auch das sog. „Bayerische Glaubensbekenntnis“ lautet so: „Nix gwiss woaß man net, aber nützt’s nix, so schadt’s vielleicht aa nix!“. Beim Brandner Kaspar herrscht die feste Überzeugung, dass nach dem irdischen Leben noch ein ewiges Leben folgt, barock ausgestattet, mit einem Boandlkramer, der gern Kirschgeist trinkt und mit einem freundlichen Petrus à la Gustl Bayerhammer. Ob’s so einen Himmel gibt? „Nix gwiss woaß man net!“ Zurückgekommen ist noch keiner.
„Glauben heißt nicht wissen“, sagt der Volksmund. Viele Menschen heute haben Glaubenszweifel. Ich möchte mich da selber nicht ausschließen. Ist ein vernünftiger Glaube überhaupt möglich? Oder sind wir Gläubigen die Dummen? Religion ist das Opium des Volkes, behauptete Karl Marx. Worin liegt der Mehrwert des Glaubens? Lassen Sie uns, liebe Mitchristen, etwas über den Glauben nachdenken.
Der Hebräerbrief formuliert: „Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht.“ Das klingt anspruchsvoll und ist es auch. Nochmal: „Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht.“
Was sind das für Tatsachen, die man nicht sieht, aber doch zutage treten?
Glauben hat grundsätzlich mehrere Bedeutungen. Ein einfaches Beispiel: Zum einen: Glauben kann sein, dass man etwas für wahr hält, was man nicht besser weiß. Zum Beispiel: „Ich glaube, dass der Bus von Thyrnau nach Passau um 9:15 Uhr abfährt“, dann weiß ich es einfach nicht besser.
Aber dann gibt es noch ein anderes glauben, wenn ich etwa sage: „Ich glaube dir.“ „Ich glaube dir, dass du die Wahrheit sagst.“ „Ich glaube Dir, dass Du es gut mit mir meinst“. „Ich glaube an das Gute im Menschen“ Ein solches Glauben hat immer mit Vertrauen zu tun, und mit Vertrauensvorschuss. Vertrauen kann man nicht erzwingen, Vertrauen kann man sich nicht kaufen, Vertrauen muss man zulassen. Und wir wissen es alle, ohne Vertrauen ist kein vernünftiges Leben möglich.
Als ich in der Schule – seinerzeit in Büchlberg, es ist lange her – den Sechstklässlern Firmunterricht erteilt habe, habe ich einmal folgende Begriffe an die Tafel geschrieben: 500g Hoffnung, 14 cm Zuwendung, 6 Liter Freude, 2 Bar Klugheit, 200 ccm Liebe und 25 km/h Mut. Meine Frage an die Firmlinge: Was ergibt das, wenn man es zusammenrechnet? Zunächst Schweigen, dann doch eine Antwort „Des is doch a Schmarrn, des kamma doch gar net zammrechnen! 500g Hoffnung gibt’s doch gar nicht.“ Stimmt natürlich. Mein Beispiel mag reichlich primitiv klingen, zeigt aber auf, dass man viele lebenswichtige Dinge nicht messen, sehen, wiegen oder auch kaufen kann. Aber es gibt diese „Dinge“ tatsächlich, und das wird nicht einmal ein Atheist leugnen. Liebe, Freude, Mut, Hoffnung usw. Für uns Christen ist genau das der Knackpunkt für den Glauben. Für den Atheisten vielleicht nicht. Nochmal der Hebräerbrief:
„Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft.“ Eine dieser Glaubens-Grundlagen ist demnach die Hoffnung. „In der Hoffnung sein“ sagt man auch, wenn eine Frau schwanger ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt. In der Tat: Ohne Hoffnung ist der Mensch nicht lebensfähig. Es gibt Sehnsüchte im Menschen, die sehr tief verwurzelt sind. Im Wesentlichen sind es drei dieser Grundhoffnungen, die wir Menschen brauchen, um unser Leben als sinnvoll, als geglückt zu erfahren.
Wir alle sehnen uns nach Liebe, nach Angenommen sein, nach Anerkennung und Ansehen. Die Bibel sagt dazu: Gott hat dich bei deinem Namen gerufen.
Wir alle sehnen uns nach Freiheit, wir wollen frei entscheiden können, uns frei bewegen können, wir wollen von niemand abhängig sein, von niemand gegängelt werden. Im Neuen Testament heißt es dazu: „Nicht Knechte seid ihr, sondern zur Freiheit seid ihr berufen.“
Wir alle sehnen uns drittens nach einem Zuhause, nach einem Ort, wo wir daheim sind, wo ich so angenommen bin, wie ich bin. Wo ich mich niederlassen kann, wo ich mich hinsetzen kann. In diesem Zusammenhang spielt „Be-sitz“, wo ich drauf sitze, eine wichtige Rolle.
Mit dem Besitz und dem Umgang damit ging es heute im Lukas-Evangelium. Es ist schon eine ziemliche Zumutung, was wir da heute gehört haben: Ich wiederhole die Worte noch einmal: „Fürchtet euch nicht, denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben. Verkauft euren Besitz und gebt Almosen. Macht euch Geldbeutel, die nicht alt werden. Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst! Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz!“
Das sind radikale Worte. Sollen wir als Christen wirklich allen Besitz verkaufen und ihn den Armen schenken, den Flüchtlingen und Asylanten, den Bedürftigen und Bürgergeldempfängern, den Hungernden in Gaza oder im Südsudan? Sollen wir Babyboomer auf die Rente verzichten, länger arbeiten, damit es unsere Kinder und Kindeskinder besser haben?
Worum geht’s?
Von Martin Luther stammt das Wort: „Das, woran unser Herz hängt, das ist in Wirklichkeit unser Gott“. Ein weises Wort im Sinne des heutigen Evangeliums: „Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz!“ Ich habe einleitend von den Tatsachen gesprochen, die man nicht sehen, wiegen, zählen und messen kann. Das sind die eigentlichen Schätze im Himmel, die kein Dieb findet und keine Motte frisst – in Gegensatz zu Geld, an das man sein Herz hängt. Ein Beispiel:
Ein Bekannter von uns – ich kann das hier erzählen, er ist nicht von hier; die Geschichte ist wahr und hat sich in den letzten Wochen tatsächlich so abgespielt – ein Bekannter von uns hat im Internet recherchiert und geschaut, wie man momentan am besten Geld anlegt. Die Zinsen sind niedrig, ein Sparbuch bringt nichts. Da ist er auf die Krypto-Währung Bitcoin gestoßen, hat 250 € versuchsweise auf ein Konto in Malta eingezahlt. Da ist nicht viel hin, dachte er sich, falls das nur ein Fake ist. Am Computer konnte er verfolgen, wie die Kurse stiegen und fielen. Im Endeffekt waren nach ein paar Wochen aus den 250 € tatsächlich 400 € geworden. Er könne das Geld gleich ausbezahlt bekommen, wurde aber gefragt, ob er vielleicht doch mehr investieren möchte, hat dann 2000 € überwiesen und das Spiel ging weiter. Schließlich zahlte er 10000 und 20000 Tausend Euro ein. Nach ein paar Monaten sollte der Gewinn ausgeschüttet werden. Dazu musste er nochmal ein paar Tausend Euro einzahlen, weil noch ein Bankgutachten notwendig war. Und Sie können sich das Ende des Liedes vorstellen, er war einem Betrüger aufgesessen. Er hat einen fünfstelligen Eurobetrag verloren, den er jetzt durch eine Spezial-Kanzlei zumindest wieder in Teilen zurückzubekommen versucht. Schneller Reichtum und die Gier danach verführt. Und es gibt auch heute durchaus hochspezialisierte Diebe und geldfressende Motten, wie der Fall zeigt.
Der Evangelist Lukas hält dagegen: „Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“
Besitz, Eigentum ist lebensnotwendig. Die Frage ist nur wie wir damit umgehen, und ob wir unser Herz, unser Leben dranhängen. Der Evangelist Lukas hat ein besonderes Interesse daran, den Gemeindemitgliedern eindringlich klar zu machen, dass sie Verantwortung dafür tragen, wie sie leben: ob das Gottes Willen gemäß und zum Wohl der Menschen ist oder nicht. Er mahnt, jetzt zu handeln und es nicht vor sich her zu schieben. Denn wann die Chance vertan ist, weiß niemand.
„Verkauft alles!“ bedeutet dann: Vergiss Deinen Besitz, denn es gibt Dinge, die im Leben wichtiger sind als Reichtum und Protz. Wie schnell kann das Leben vergehen. Pater Rudolf Ehrl hat es uns letzten Sonntag an gleicher Stelle hier mit dem Beispiel Laura Dahlmeier vorgeführt, die am Laila Peak ums Leben gekommen ist: Wie schnell können Ansehen und Leben vergehen. Die ehemalige Biathletin scheint es richtig und in gewisser Weise vorbildlich gemacht zu haben: „Kümmert euch nicht um meinen toten Körper, bringt euch nicht auch noch selber in Gefahr.“ Irgendwie erstaunlich in einer Zeit wie dieser.
Lasst uns in christlicher Gelassenheit mit unserem Leben umgehen und sammeln wir Schätze mit den „Tatsachen, die man nicht sieht“, wie es im Hebräerbrief heißt.
In diesem Sinne möchte ich mit einem Gebet schließen, das dem hl. Franz von Assisi zugeschrieben wird:
O Herr, mach mich zum Werkzeug deines Friedens.
Dass ich Liebe übe, wo man hasst,
dass ich vergebe, wo man sich beleidigt,
dass ich verbinde, wo Streit ist,
dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht,
dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt,
dass ich die Hoffnung bringe, wo die Verzweiflung ist,
dass ich Licht entzünde, wo Dunkelheit herrscht,
dass ich Freude bringe, wo die Trauer ist.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. Amen.
Dionys Asenkerschbaumer


