Wortgottesdienste in der Ferienzeit

Andreas Erndl am 11.08.2025

Die Predigt von Dionys Asenkerschbaumer (rechts im Bild) im Wortlaut

19. Sonn­tag im Jah­res­kreis, Lese­jahr C, 10. August 2025, Wort-Got­tes-Fei­er in Thyrnau

Lesung (Hebr 11,1 – 2.8 – 19)
1 Glau­be aber ist: Grund­la­ge des­sen, was man erhofft, ein Zuta­ge­tre­ten von Tat­sa­chen, die man nicht sieht.
2 Auf­grund die­ses Glau­bens haben die Alten ein gutes Zeug­nis erhal­ten
8 Auf­grund des Glau­bens gehorch­te Abra­ham dem Ruf, weg­zu­zie­hen in ein Land, das er zum Erbe erhal­ten soll­te; und er zog weg, ohne zu wis­sen, wohin er kom­men wür­de.
9 …

Evan­ge­li­um Lk 12,32 – 48
In jener Zeit sprach Jesus zu sei­nen Jün­gern: 
32 Fürch­te dich nicht, du klei­ne Her­de! Denn euer Vater hat beschlos­sen, euch das Reich zu geben.
33 Ver­kauft euren Besitz und gebt Almo­sen! Macht euch Geld­beu­tel, die nicht alt wer­den! Ver­schafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, im Him­mel, wo kein Dieb ihn fin­det und kei­ne Mot­te ihn frisst!
34 Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
35 …

Lie­be Schwes­tern und Brü­der im Glauben!

„Nix gwiss woaß man net!“ Die­sen Spruch kennt jeder, er stammt ursprüng­lich von Joseph Huber, einem Münch­ner Ori­gi­nal, der von 1763 bis 1829 leb­te und im Volks­mund ​„Fines­sen­sep­perl“ hieß. Der ​„Fines­sen­sep­perl“ war mit einer Grö­ße von 1,50 m etwas kurz gera­ten. Stadt­be­kannt wur­de er als Lie­bes­brief-Aus­trä­ger und Ver­trau­ens­mann für heim­li­che Ange­le­gen­hei­ten. Der ​„Fines­sen­sep­perl“ stell­te nicht nur Brie­fe zu, son­dern ver­mit­tel­te Ren­dez­vous und war über alle Geheim­nis­se der Stadt infor­miert, ohne je eines preis­zu­ge­ben. Wenn die Leu­te ihm ein sol­ches ent­lo­cken woll­ten, dann gab er stets zur Ant­wort ​„Nix gwiss woaß man net!“. Auch das sog. ​„Baye­ri­sche Glau­bens­be­kennt­nis“ lau­tet so: ​„Nix gwiss woaß man net, aber nützt’s nix, so schadt’s viel­leicht aa nix!“. Beim Brand­ner Kas­par herrscht die fes­te Über­zeu­gung, dass nach dem irdi­schen Leben noch ein ewi­ges Leben folgt, barock aus­ge­stat­tet, mit einem Boandl­kra­mer, der gern Kirsch­geist trinkt und mit einem freund­li­chen Petrus à la Gustl Bay­er­ham­mer. Ob’s so einen Him­mel gibt? ​„Nix gwiss woaß man net!“ Zurück­ge­kom­men ist noch keiner.

„Glau­ben heißt nicht wis­sen“, sagt der Volks­mund. Vie­le Men­schen heu­te haben Glau­bens­zwei­fel. Ich möch­te mich da sel­ber nicht aus­schlie­ßen. Ist ein ver­nünf­ti­ger Glau­be über­haupt mög­lich? Oder sind wir Gläu­bi­gen die Dum­men? Reli­gi­on ist das Opi­um des Vol­kes, behaup­te­te Karl Marx. Wor­in liegt der Mehr­wert des Glau­bens? Las­sen Sie uns, lie­be Mit­chris­ten, etwas über den Glau­ben nachdenken.

Der Hebrä­er­brief for­mu­liert: ​„Glau­be aber ist: Grund­la­ge des­sen, was man erhofft, ein Zuta­ge­tre­ten von Tat­sa­chen, die man nicht sieht.“ Das klingt anspruchs­voll und ist es auch. Noch­mal: ​„Glau­be aber ist: Grund­la­ge des­sen, was man erhofft, ein Zuta­ge­tre­ten von Tat­sa­chen, die man nicht sieht.“ 

Was sind das für Tat­sa­chen, die man nicht sieht, aber doch zuta­ge treten?

Glau­ben hat grund­sätz­lich meh­re­re Bedeu­tun­gen. Ein ein­fa­ches Bei­spiel: Zum einen: Glau­ben kann sein, dass man etwas für wahr hält, was man nicht bes­ser weiß. Zum Bei­spiel: ​„Ich glau­be, dass der Bus von Thyr­n­au nach Pas­sau um 9:15 Uhr abfährt“, dann weiß ich es ein­fach nicht besser. 

Aber dann gibt es noch ein ande­res glau­ben, wenn ich etwa sage: ​„Ich glau­be dir.“ ​„Ich glau­be dir, dass du die Wahr­heit sagst.“ ​„Ich glau­be Dir, dass Du es gut mit mir meinst“. ​„Ich glau­be an das Gute im Men­schen“ Ein sol­ches Glau­ben hat immer mit Ver­trau­en zu tun, und mit Ver­trau­ens­vor­schuss. Ver­trau­en kann man nicht erzwin­gen, Ver­trau­en kann man sich nicht kau­fen, Ver­trau­en muss man zulas­sen. Und wir wis­sen es alle, ohne Ver­trau­en ist kein ver­nünf­ti­ges Leben möglich.

Als ich in der Schu­le – sei­ner­zeit in Büchl­berg, es ist lan­ge her – den Sechst­kläss­lern Firm­un­ter­richt erteilt habe, habe ich ein­mal fol­gen­de Begrif­fe an die Tafel geschrie­ben: 500g Hoff­nung, 14 cm Zuwen­dung, 6 Liter Freu­de, 2 Bar Klug­heit, 200 ccm Lie­be und 25 km/​h Mut. Mei­ne Fra­ge an die Firm­lin­ge: Was ergibt das, wenn man es zusam­men­rech­net? Zunächst Schwei­gen, dann doch eine Ant­wort ​„Des is doch a Schmarrn, des kam­ma doch gar net zamm­rech­nen! 500g Hoff­nung gibt’s doch gar nicht.“ Stimmt natür­lich. Mein Bei­spiel mag reich­lich pri­mi­tiv klin­gen, zeigt aber auf, dass man vie­le lebens­wich­ti­ge Din­ge nicht mes­sen, sehen, wie­gen oder auch kau­fen kann. Aber es gibt die­se ​„Din­ge“ tat­säch­lich, und das wird nicht ein­mal ein Athe­ist leug­nen. Lie­be, Freu­de, Mut, Hoff­nung usw. Für uns Chris­ten ist genau das der Knack­punkt für den Glau­ben. Für den Athe­is­ten viel­leicht nicht. Noch­mal der Hebräerbrief:

„Glau­be aber ist: Grund­la­ge des­sen, was man erhofft.“ Eine die­ser Glau­bens-Grund­la­gen ist dem­nach die Hoff­nung. ​„In der Hoff­nung sein“ sagt man auch, wenn eine Frau schwan­ger ist. Die Hoff­nung stirbt zuletzt. In der Tat: Ohne Hoff­nung ist der Mensch nicht lebens­fä­hig. Es gibt Sehn­süch­te im Men­schen, die sehr tief ver­wur­zelt sind. Im Wesent­li­chen sind es drei die­ser Grund­hoff­nun­gen, die wir Men­schen brau­chen, um unser Leben als sinn­voll, als geglückt zu erfahren.

Wir alle seh­nen uns nach Lie­be, nach Ange­nom­men sein, nach Aner­ken­nung und Anse­hen. Die Bibel sagt dazu: Gott hat dich bei dei­nem Namen gerufen.

Wir alle seh­nen uns nach Frei­heit, wir wol­len frei ent­schei­den kön­nen, uns frei bewe­gen kön­nen, wir wol­len von nie­mand abhän­gig sein, von nie­mand gegän­gelt wer­den. Im Neu­en Tes­ta­ment heißt es dazu: ​„Nicht Knech­te seid ihr, son­dern zur Frei­heit seid ihr berufen.“

Wir alle seh­nen uns drit­tens nach einem Zuhau­se, nach einem Ort, wo wir daheim sind, wo ich so ange­nom­men bin, wie ich bin. Wo ich mich nie­der­las­sen kann, wo ich mich hin­set­zen kann. In die­sem Zusam­men­hang spielt ​„Be-sitz“, wo ich drauf sit­ze, eine wich­ti­ge Rolle.

Mit dem Besitz und dem Umgang damit ging es heu­te im Lukas-Evan­ge­li­um. Es ist schon eine ziem­li­che Zumu­tung, was wir da heu­te gehört haben: Ich wie­der­ho­le die Wor­te noch ein­mal: ​„Fürch­tet euch nicht, denn euer Vater hat beschlos­sen, euch das Reich zu geben. Ver­kauft euren Besitz und gebt Almo­sen. Macht euch Geld­beu­tel, die nicht alt wer­den. Ver­schafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, im Him­mel, wo kein Dieb ihn fin­det und kei­ne Mot­te ihn frisst! Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz!“

Das sind radi­ka­le Wor­te. Sol­len wir als Chris­ten wirk­lich allen Besitz ver­kau­fen und ihn den Armen schen­ken, den Flücht­lin­gen und Asy­lan­ten, den Bedürf­ti­gen und Bür­ger­geld­emp­fän­gern, den Hun­gern­den in Gaza oder im Süd­su­dan? Sol­len wir Baby­boo­mer auf die Ren­te ver­zich­ten, län­ger arbei­ten, damit es unse­re Kin­der und Kin­des­kin­der bes­ser haben?

Wor­um geht’s?

Von Mar­tin Luther stammt das Wort: ​„Das, wor­an unser Herz hängt, das ist in Wirk­lich­keit unser Gott“. Ein wei­ses Wort im Sin­ne des heu­ti­gen Evan­ge­li­ums: ​„Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz!“ Ich habe ein­lei­tend von den Tat­sa­chen gespro­chen, die man nicht sehen, wie­gen, zäh­len und mes­sen kann. Das sind die eigent­li­chen Schät­ze im Him­mel, die kein Dieb fin­det und kei­ne Mot­te frisst – in Gegen­satz zu Geld, an das man sein Herz hängt. Ein Beispiel:

Ein Bekann­ter von uns – ich kann das hier erzäh­len, er ist nicht von hier; die Geschich­te ist wahr und hat sich in den letz­ten Wochen tat­säch­lich so abge­spielt – ein Bekann­ter von uns hat im Inter­net recher­chiert und geschaut, wie man momen­tan am bes­ten Geld anlegt. Die Zin­sen sind nied­rig, ein Spar­buch bringt nichts. Da ist er auf die Kryp­to-Wäh­rung Bit­co­in gesto­ßen, hat 250 € ver­suchs­wei­se auf ein Kon­to in Mal­ta ein­ge­zahlt. Da ist nicht viel hin, dach­te er sich, falls das nur ein Fake ist. Am Com­pu­ter konn­te er ver­fol­gen, wie die Kur­se stie­gen und fie­len. Im End­ef­fekt waren nach ein paar Wochen aus den 250 € tat­säch­lich 400 € gewor­den. Er kön­ne das Geld gleich aus­be­zahlt bekom­men, wur­de aber gefragt, ob er viel­leicht doch mehr inves­tie­ren möch­te, hat dann 2000 € über­wie­sen und das Spiel ging wei­ter. Schließ­lich zahl­te er 10000 und 20000 Tau­send Euro ein. Nach ein paar Mona­ten soll­te der Gewinn aus­ge­schüt­tet wer­den. Dazu muss­te er noch­mal ein paar Tau­send Euro ein­zah­len, weil noch ein Bank­gut­ach­ten not­wen­dig war. Und Sie kön­nen sich das Ende des Lie­des vor­stel­len, er war einem Betrü­ger auf­ge­ses­sen. Er hat einen fünf­stel­li­gen Euro­be­trag ver­lo­ren, den er jetzt durch eine Spe­zi­al-Kanz­lei zumin­dest wie­der in Tei­len zurück­zu­be­kom­men ver­sucht. Schnel­ler Reich­tum und die Gier danach ver­führt. Und es gibt auch heu­te durch­aus hoch­spe­zia­li­sier­te Die­be und geld­fres­sen­de Mot­ten, wie der Fall zeigt.

Der Evan­ge­list Lukas hält dage­gen: ​„Ver­schafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, im Him­mel, wo kein Dieb ihn fin­det und kei­ne Mot­te ihn frisst. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“

Besitz, Eigen­tum ist lebens­not­wen­dig. Die Fra­ge ist nur wie wir damit umge­hen, und ob wir unser Herz, unser Leben dran­hän­gen. Der Evan­ge­list Lukas hat ein beson­de­res Inter­es­se dar­an, den Gemein­de­mit­glie­dern ein­dring­lich klar zu machen, dass sie Ver­ant­wor­tung dafür tra­gen, wie sie leben: ob das Got­tes Wil­len gemäß und zum Wohl der Men­schen ist oder nicht. Er mahnt, jetzt zu han­deln und es nicht vor sich her zu schie­ben. Denn wann die Chan­ce ver­tan ist, weiß niemand.

„Ver­kauft alles!“ bedeu­tet dann: Ver­giss Dei­nen Besitz, denn es gibt Din­ge, die im Leben wich­ti­ger sind als Reich­tum und Protz. Wie schnell kann das Leben ver­ge­hen. Pater Rudolf Ehrl hat es uns letz­ten Sonn­tag an glei­cher Stel­le hier mit dem Bei­spiel Lau­ra Dah­l­mei­er vor­ge­führt, die am Lai­la Peak ums Leben gekom­men ist: Wie schnell kön­nen Anse­hen und Leben ver­ge­hen. Die ehe­ma­li­ge Biath­le­tin scheint es rich­tig und in gewis­ser Wei­se vor­bild­lich gemacht zu haben: ​„Küm­mert euch nicht um mei­nen toten Kör­per, bringt euch nicht auch noch sel­ber in Gefahr.“ Irgend­wie erstaun­lich in einer Zeit wie dieser.

Lasst uns in christ­li­cher Gelas­sen­heit mit unse­rem Leben umge­hen und sam­meln wir Schät­ze mit den ​„Tat­sa­chen, die man nicht sieht“, wie es im Hebrä­er­brief heißt.

In die­sem Sin­ne möch­te ich mit einem Gebet schlie­ßen, das dem hl. Franz von Assi­si zuge­schrie­ben wird:

O Herr, mach mich zum Werk­zeug dei­nes Frie­dens. 
Dass ich Lie­be übe, wo man hasst, 
dass ich ver­ge­be, wo man sich belei­digt, 
dass ich ver­bin­de, wo Streit ist, 
dass ich die Wahr­heit sage, wo der Irr­tum herrscht, 
dass ich den Glau­ben brin­ge, wo der Zwei­fel drückt, 
dass ich die Hoff­nung brin­ge, wo die Ver­zweif­lung ist, 
dass ich Licht ent­zün­de, wo Dun­kel­heit herrscht,
dass ich Freu­de brin­ge, wo die Trau­er ist.

Herr, lass mich trach­ten,
nicht, dass ich getrös­tet wer­de, son­dern dass ich trös­te;
nicht, dass ich ver­stan­den wer­de, son­dern dass ich ver­ste­he;
nicht, dass ich geliebt wer­de, son­dern dass ich lie­be.
Denn wer sich hin­gibt, der emp­fängt;
wer sich selbst ver­gisst, der fin­det;
wer ver­zeiht, dem wird ver­zie­hen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewi­gen Leben. Amen.

Dio­nys Asenkerschbaumer

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