Kellberg. Am kommenden Sonntag, dem 9. August steht mit dem Altmannfest einer der Höhepunkte im Jubiläumsjahr zum 950-jährigen Bestehen der Pfarrei Kellberg bevor. Bischof Dr. Stefan Oster SDB wird am Sonntag um 9:30 Uhr einen Pontifikalgottesdienst in der Pfarrkirche St. Blasius feiern. Pfarrbevölkerung, Vereine und Gäste versammeln sich ab 9 Uhr auf dem Festplatz vor der ehemaligen Schule, um in einer Prozession in die Kirche zu ziehen. Nach dem Gottesdienst wird vor dem Portal ein Denkmal enthüllt, das der Kellberger Künstler Alfred Seidel auf Initiative von Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung geschaffen hat. Es zeigt einen Turm, der auf einem bergförmigen Quarzfindling steht, und symbolisiert dadurch die Geschichte Kellbergs. Auf dem Denkmal sind auch Menschen zu sehen, die zum „Turmberg“ – einer möglichen tieferen Bedeutung des Namens Kellberg – unterwegs sind. Aber auch ein Zeichen dafür, dass die Menschen früher aus Krinning, Hauzenberg, Wolkar, Haag und Thyrnau zu ihrer Pfarrkirche gegangen sind. Aber auch ein Zeichen für das Unterwegssein des Volkes Gottes im Sinne des II. Vatikanischen Konzils. Bischof Stefan wird dem Denkmal seinen Segen geben, damit es die kommenden Generationen an die Glaubensgeschichte an diesem Ort erinnert.
Im Anschluss an die Segnung sind die Pfarrgemeinde und alle Gäste herzlich ins Kurgästehaus eingeladen. Bei einem einfachen, von verschiedenen Gruppen der Pfarrei vorbereiteten Mittagessen besteht Gelegenheit zur Begegnung und zum Gespräch mit dem Bischof.
Anlass für das Fest ist der Namenstag des heiligen Passauer Bischof Altmann, geboren um 1015 in Westfalen, gestorben am 8. August 1091 in Zeiselmauer bei Tulln. Altmann von Passau gilt als der Gründer der Pfarrei Kellberg und lebte in den Zeiten des Investiturstreits. Damals befand sich die Kirche, vielleicht ähnlich wie heute, in einer Krise, Bischöfe und Geistliche kümmerten sich mehr und mehr um ihre Besitzungen und um ihr Erbe u.dgl. als um die Seelsorge. Problem war einerseits die Simonie, also der Kauf kirchlicher Ämter. König Heinrich IV. setzte nach Gutdünken Bischöfe ein und ab, um seine Macht zu sichern. Der Klerus war alles andere als ein Vorbild, so mancher Priester lebte im Konkubinat, einen Pflichtzölibat gab es nicht, das Erbe war häufig wichtiger als Seelsorge und religiöse Bildung. Dem damaligen Papst Gregor VII. gefiel das nicht und ergriff deswegen Gegenmaßnahmen, die im Investiturstreit gipfelten. Er exkommunizierte kurzerhand den König, der schließlich mit seinem Gang nach Canossa klein beigeben musste.
Altmann war ein Anhänger Gregors VII. Der gebürtige Westfale versuchte, die Reformideen des Papstes umzusetzen. Er selber war auf Betreiben der Kaiserwitwe Agnes, der Mutter des noch minderjährigen Königs Heinrich IV. Bischof von Passau geworden. Zu den wichtigsten Maßnahmen Altmanns gehörten die Bekämpfung der Simonie, also des Kaufs kirchlicher Ämter, die Durchsetzung des priesterlichen Zölibats, die Reform des oft stark verweltlichten Domklerus und die Förderung gemeinschaftlicher Lebensformen des Klerus nach klösterlichem Vorbild. Er gründete neben einigen anderen das Kloster St. Nikola, wo die Geistlichen ab sofort in Gemeinschaft, aber zölibatär leben sollten. Weil all das dem reformunwilligen Klerus gar nicht gefiel, suchte dieser Rückhalt bei König Heinrich IV., der Passau 1077/78 besetzte und den Bischof aus der Stadt vertrieb. Altmann flüchtete in den österreichischen Teil seiner Diözese, zunächst nach Göttweig, wo er auch ein Kloster gründete und später bestattet wurde. Er wird in Teilen Bayerns und Österreichs als Heiliger verehrt, obwohl keine offizielle Heiligsprechung erfolgt ist. Das Bistum Passau feiert seinen Gedenktag am 12. August, der in diesem Jahr auf einen Mittwoch fällt.
Eine Gruppe Kellberger hatte im Frühjahr das Grab Altmanns in Göttweig besucht, wo Abt Patrick Schöder die Pilger in der Krypta empfing und ihnen den Reliquienschrein des Klostergründers erläuterte. Abt Patrick wird am 11. Oktober nach Kellberg kommen, um mit der Pfarrei bei einem weiteren Höhepunkt des Jubiläumsjahr das Erntedankfest mit Leonhardiumritt zu feiern.
Dionys Asenkerschbaumer



